Mit dem Palmsonntag beginnt „die große Woche“, die „Karwoche“. Es beginnen die Tage des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi. Auch wenn das Weihnachtsfest bei uns vom Empfinden her für viele den Höhepunkt der Feste des Kirchenjahres darstellt, so ist doch das Osterfest mindestens ein gleichwertiger Höhepunkt, ja mehr noch, „das Fest aller Feste“.
Eines steht fest: Für Jesus war das, was in dieser Woche geschah, beginnend mit dem heutigen feierlichen Einzug in Jerusalem, tatsächlich der Höhepunkt seines Lebens. Auf dieses Ziel hin hat er gelebt, auf diese Tage, die Stunde hat er sich mit ganzer Kraft hinbewegt. Darum ging es ihm ganz bewusst.
Die Ereignisse des Palmsonntags zeigen, wie bewusst und klar Jesus sie selber „inszeniert“ hat. Er wusste, was er tat. Und die Menschen, die ihn begleiteten, haben seine Gesten verstanden und waren davon begeistert. Sehen wir uns die Ereignisse ein wenig an. Sie laden dazu ein, sich selber in die Schar derer einzureihen, die da mit Jesus nach Jerusalem hinauf pilgern.
Zum Osterfest kamen viele Tausende Pilger nach Jerusalem. So auch Jesus mit einer wachsenden Schar von Landsleuten aus dem Norden des Landes, aus Galiläa. Da waren seine zwölf Apostel, dazu der Kreis seiner Anhänger, eine ganze Gruppe von Frauen, die treu zu ihm hielten, bis zum bitteren Ende am Kreuz und bis zum Grab, das sie als erste dann leer fanden. Zu der Menge gehörte auch Maria, die Mutter Jesu, die ihn auf dieser letzten Pilgerfahrt nicht allein lassen wollte. Sie wird bis unter dem Kreuz bei ihm bleiben. Und dazu kamen andere Leute, die sich unterwegs der Pilgergruppe angeschlossen hatten, wie dieser Bartimäus, den Jesus von seiner Blindheit geheilt hatte, als er durch Jericho kam.
Es gibt einen Ort, von dem aus die Pilger zum ersten Mal Jerusalem sahen. Als Jesus nahe dieser Stelle war, schickte er zwei Jünger voraus, sie sollten ihm ein Reittier, einen noch unberittenen Esel besorgen, ausborgen. Diese Geste ist für seine Umgebung von tiefer Bedeutung. Alles daran hat großes Gewicht. Denn viele erwarten, dass zu Ostern, an einem Osterfest in Jerusalem, der Messias kommen werde. Und nach den Verheißungen der Propheten wird er nicht mit militärischer Macht, sondern bescheiden auf einer Eselin reitend, in seine Stadt Jerusalem einziehen.
Voller Begeisterung heben die Jünger ihren Meister auf das königliche Reittier. Sie jubeln ihm als König zu, voll Hoffnung, dass an diesem Osterfest das Reich des Messias beginnen wird, seine verheißene Friedensherrschaft. Wir wissen, dass es anders kam. Sein Thron wurde das Kreuz und sein Reich kam in die Herzen, nicht als die große Weltmacht. Bis heute will er nicht anders König sein, als dass er auch bei uns Einzug hält. Wie wird er bei uns aufgenommen?