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Wo zwei oder drei...

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 7. September 2014. (Mt 18,15-20)

04.09.2014
© kathbild.at/Rupprecht

Wo zwei oder drei beisammen sind, was geschieht da? Hand auf’s Herz! Meist reden sie über jemanden, der nicht da ist. Und ich wage die Vermutung: Meist richten sie ihn aus! Seien wir ehrlich: Wie oft reden wir, wenn zwei oder drei beisammen sind, über jemand Abwesenden nur Gutes? Es ist leider so, dass die Fehler der Anderen mehr besprochen werden als ihre guten Seiten. Wir klagen gerne über die Medien, dass sie vor allem schlechte Nachrichten verbreiten. Aber was tun wir selber, wenn wir über andere reden?

 

Im heutigen Evangelium gibt Jesus ganz bestimmte praktische Regeln, wie wir mit den Fehlern anderer umgehen sollen. Wie anders sähe unser Zusammenleben aus, wollten wir uns an die Anweisungen Jesu halten! Ist es nicht fast immer so, dass der Kritisierte als Letzter von der Kritik hört, die an ihm geübt wird? Ehe jemand den Mut hat, den Betroffenen persönlich anzusprechen, ist hinter seinem Rücken schon eifrig herumgeredet worden.

 

Jesu Weisung ist klar: Zuerst ein Gespräch unter vier Augen! Vor allem Tratschen und Ausbreiten der Fehler vor anderen, habe den Mut, den Betroffenen direkt anzusprechen! Wenn ich Beschwerdebriefe über diesen oder jenen Pfarrer oder Mitarbeiter bekomme, frage ich immer zuerst zurück: Haben Sie schon mit dem Betreffenden persönlich gesprochen? Warum fällt es uns so leicht, mit anderen dessen Fehler zu besprechen, und so schwer, das direkte Gespräch mit ihm zu suchen?

 

Es lohnt sich wirklich, hier eine ganz persönliche Gewissenserforschung zu machen. Sehr häufig haben wir einfach Angst, den Fehler eines anderen mit ihm persönlich zu besprechen, weil das auch uns Nachteile bringen kann, vor allem, wenn es sich um einen Vorgesetzten, um den Chef handelt.

 

Erst wenn dieses Gespräch nichts fruchtet, sollten wir „zwei oder drei Zeugen“ dazunehmen. Warum? Damit der Betroffene die Chance hat, seinen Fehler zuzugeben und wieder in die Gemeinschaft zurückfindet. Ergreift er auch diese Chance nicht, dann kann das den Ausschluss aus der Gemeinschaft bedeuten.

 

Das Anliegen Jesu ist klar: Wir alle können Fehler machen. Aber gerade deshalb sollen wir einander helfen, aus unseren Fehlern zu lernen und herauszufinden. Und das gelingt sicher nur, wenn der Betroffene nicht öffentlich bloßgestellt, sondern persönlich angesprochen wird.

 

Wenn wir dazu den Mut haben, dann kann auch die Verheißung Jesu eintreten: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Wo Menschen offen, ehrlich, liebevoll miteinander umgehen, da ist dieses Wort Jesu wirklich erlebbar. Eine Familie, in der gemeinsam gebetet wird, kann so ein Ort sein. Wie stark ist es, wenn Eheleute im Glauben und im Beten verbunden sind: Da ist Gott gegenwärtig als Dritter im Bund. Wo Menschen so miteinander verbunden sind, da ist auch der Raum des Vertrauens da, einander die Fehler zu sagen und sie gemeinsam zu überwinden. Sollte das nicht möglich sein?

 

 

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