Es ging durch alle Medien: die verpatzte Hochzeit. Ein Brautpaar hatte alles bis in die kleinsten Einzelheiten vorbereitet. Es sollte der schönste Tag ihres Lebens werden. Ein volles Jahr hatten sie geplant, ausgedacht, liebevoll hergerichtet. Schließlich kam der große Tag. Die Kirche war voll mit den Hochzeitsgästen, die Musik war bereit, die Orgel hätte zu spielen beginnen sollen. Schon stand das schöne Auto mit der Braut vor der Kirche. Der Vater der Braut sollte sie abholen, um sie feierlich in die Kirche zu geleiten, hin zum Bräutigam, der vor dem Altar wartete.
Alle warteten ... Minuten vergingen, ein viertel, eine halbe Stunde. Der Traupriester fehlte. Er kam nicht. Er war nicht zu finden, unerreichbar. Qualvolles Warten. Nach einer Stunde begann sich alles aufzulösen. Die Braut in Tränen. Die Enttäuschung unbeschreiblich. Der Priester war zu einem Sterbenden gerufen worden, und hatte darüber schlicht und einfach die Trauung vergessen ... Wochen später habe ich das Paar, zum Trost über diesen Schock, selber im Stephansdom getraut. Es wurde dann doch ein schönes Fest, und ich wünsche dem Paar viele gesegnete Jahre einer guten Ehe.
Warum ich das erzähle? Weil es auch im heutigen Evangelium um eine vergleichbare Enttäuschung geht. Dass der Pfarrer auf die Trauung vergaß, ist ein Missgeschick, das ihm schrecklich leid tat. Dass geladene Gäste die Einladung des Königs zur Hochzeit seines Sohnes ausschlagen, ist eine unvorstellbare Unhöflichkeit. Die Enttäuschung des Brautpaares war riesengroß. Das verstand ich, als sie mir ihr Leid klagten. Die Empörung des Königs im Gleichnis ist noch viel größer, weil die Ablehnung der Einladung nicht durch ein Vergessen geschah wie bei besagtem Pfarrer, sondern durch ausdrückliche Verachtung. Alles andere ist diesen Geladenen wichtiger als die ehrenvolle Einladung des Königs. Damit bringen sie zum Ausdruck, dass ihnen der König nicht wichtig ist, und die Heirat seines Sohnes nichts bedeutet.
Mir war die Enttäuschung dieses „vergessenen Brautpaares“ eine wichtige Lehre. Für sie war die Hochzeit nicht nur ein schönes Fest, ein gesellschaftliches Ereignis, sondern tiefstes Herzensanliegen. Ich habe besser verstanden, warum Jesus gerne sein Herzensanliegen in das Bild der Hochzeit kleidet.
Gott hat uns Menschen ein Fest bereitet: „Mein Mahl ist fertig, ... alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!“ Was für eine Enttäuschung, welche Kränkung, wenn wir Gott sagen: Deine Einladung interessiert mich nicht! Dein Sohn ist uns egal! Wir haben Wichtigeres zu tun als auf dein Fest zu kommen!
„Sie aber kümmerten sich nicht darum.“ Das tut weh. Das verletzt. Eine Einladung so abzuweisen ist nicht nur unhöflich, sondern kränkend. Im Gleichnis, wie Jesus es erzählt, wird der Gastgeber, der König, zornig. Er rächt sich wie ein orientalischer Despot und lässt „ihre Stadt in Schutt und Asche legen“. Handelt Gott so gegenüber unserer Gleichgültigkeit? Ist er ein zorniger, rächender, strafender Gott? So hat Jesus Gott nicht dargestellt. Aber er will uns aufwecken. Durch dieses Gleichnis soll uns bewusst werden, wie undankbar wir sind, wenn wir Gott die kalte Schulter zeigen. Wie traurig und herzlos ist es, wenn uns alles andere wichtiger ist als Gottes Einladung.
Der Schluss des Gleichnisses soll uns aufrütteln: Wenn euch Gottes Ruf so egal ist, andere werden mit Freude seine Einladung annehmen. Vielleicht besinnt ihr euch dann doch und kommt mit zum Fest, das Gott uns bereitet hat.