Es klingt gar nicht sehr adventlich, das heutige Evangelium für den ersten Adventsonntag. Da ist keine Rede vom Adventskranz (den es übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert gibt), da gibt es keinen Adventsmarkt, da ist keine Spur von Punschständen und Bäckereien, und auch nicht von Adventsliedern. Vielmehr ist da die Rede von kosmischen Katastrophen, vor Unvorhersehbarem, das über die Menschen hereinbricht, vom Ende und von der glorreichen Wiederkunft Christi und von deren Erwartung.
Damit sind wir aber viel näher am ursprünglichen Sinn des Advents als mit all dem noch so gefühlsbetonten Adventsrummel unserer Tage. Denn Advent heißt ja wörtlich "Ankunft", und um dieser Ankunft willen feiern wir Advent. Nach alter christlicher Tradition geht es an den vier Sonntagen vor Weihnachten um eine dreifache Ankunft. Zuerst um die, die vor allem zu Weihnachten gefeiert wird, um die Geburt Jesu, des Sohnes Mariens, des Sohnes Gottes, im Stall von Bethlehem, am Anfang unserer Zeitrechnung, vor 2014 Jahren.
Weihnachten ist aber nicht nur eine ferne Erinnerung an die damaligen Ereignisse, zur Zeit des Kaisers Augustus. Es geht immer auch um das Heute, in dem wir leben: das Kommen Jesu in unserer Zeit, seine Gegenwart in unserer Mitte. Er hat ja versprochen: "Ich bin bei euch, alle Tage bis an Ende der Zeit."
Advent bedeutet drittens das Warten auf sein Kommen am Ende derZeit. Davon handelt heute das Evangelium. Es enthält Worte Jesu über seinen endgültigen "Advent", sein Kommen in Herrlichkeit.
Weil wir uns diesen dritten und letzten Advent Jesu nicht so leicht vorstellen können, spricht er, wie so oft, in Bildern von dem, was da auf uns zukommt. Ein erstes Bild spricht von kosmischen Katastrophen. Sonne, Mond und Sterne werden ihren Dienst aufgeben. Der Himmel wird erschüttert werden, ja zusammenbrechen. Die Sonne ist für uns das Selbstverständlichste. Auf die Sekunde genau können wir ihren Auf- und Untergang für jeden Tag, und auf Jahre hinaus berechnen. Dasselbe gilt vom Mond. Und die Fixsterne am Nachthimmel heißen so, weil sie seit eh und je fest an ihrem Platz sind.
Jesu kündigt in diesem Bild an, dass Zeiten kommen werden, in denen alles unsicher wird, in denen uns die Fixsterne verloren gehen, an denen wir uns in der Nacht unseres Lebens orientieren können. Eine Zeit, in der uns das Licht des Tages und die Leuchte der Nacht verloren gehen, weil alles drunter und drüber geht. Und manches an unserer orientierungslosen Zeit erinnert an die Ansage Jesu.
Ein zweites Bild: Lernt vom Feigenbaum! Lernt die Zeichen der Natur zu lesen. Sprechen Klimawandel und zunehmende Naturkatastrophen nicht eine deutliche Sprache?
Ein drittes Bild: der Türhüter. Er muss wachen und warten, bis sein Hausherr heimkommt. Advent ist Zeit des Wachens und Wartens. Der schöne Brauch der Roratemessen früh am Morgen erinnert uns an diesen Sinn des Advents.
Wir wissen nicht, wann Jesus wiederkommt, nur dass er kommen wird. Vor allem darauf zu warten heißt, Advent einmal anders feiern.