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Gedanken zum Evangelium: Freude in der Dunkelheit

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 14. Dezember  2014 (Johannes 1,6-8.19-28).

12.12.2014
© Johannes der Täufer/kathbild.at,rupprecht

Der heutige dritte Adventsonntag heißt Sonntag „Gaudete“. Denn das erste Wort des Gottesdienstes lautet: „Gaudete“, Freut euch!  Mitten in dieser dunklen Dezemberzeit, in der es erst spät hell und schon so früh dunkel wird, soll Freude aufleuchten.

 

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ Wie zeigt sich diese Freude? Ist sie erfahrbar? Wo ist sie zu finden? Viele leiden in diesen Wintermonaten an Depressionen. Die lange Dunkelheit, wenig Sonnenschein, graues, kaltes Wetter, dazu der Stress der Vorweihnachtszeit, all das macht es nicht leicht, Freude aufkommen zu lassen. Und doch, so heißt es heute in der Liturgie der Kirche, sollen wir uns freuen, dürfen wir es.

 

Für mich hat Weihnachten schon einen ganz einfachen natürlichen Grund, mich zu freuen. Es ist die Wintersonnenwende. Ab Christi  Geburtsfest werden die Tage wieder länger. Auch wenn es dann noch lange bis zum Frühling dauert, die Gewissheit tröstet: Es wird wieder heller! In der ersten Lesung der heutigen Sonntagsliturgie heißt es so hoffnungsvoll beim Propheten Jesaja: „Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor!“

 

So sicher wie das Frühjahr kommt, so gewiss wie es wieder heller und wärmer wird, so sehr dürfen wir auf Gottes Nähe und Hilfe vertrauen. Die Natur mit ihrem zuverlässigen Ablauf wird zum Zeichen für die Zusage von Gottes Treue und Trost. Die schlichte menschliche Vorfreude auf sonnigere Tage wird zur Hilfe, sich auf Gottes Kommen zu freuen: „Der Herr ist nahe!“

 

Das ist auch die Botschaft des Johannes, des Täufers. Er erschließt uns eine noch tiefere Quelle der Freude. Sie ist nicht so leicht zu erfassen wie die Freude auf das Ende der dunklen Tage. Sie hat mit einer inneren Haltung, einer Lebenseinstellung zu tun, die schwer zu erwerben ist, aber umso glücklicher macht. Wir können sie in das dreimal wiederholte Wort des Johannes fassen: „Ich bin es nicht.“ Johannes schafft es, nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Und wem das gelingt, der stößt zu einer tiefen, verborgenen Quelle der Freude vor.

 

„Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war.“ Johannes wusste sich von Gott erwählt und beauftragt. Aber er hat sich damit nicht wichtig gemacht. Er hat von sich weggewiesen und auf den hingewiesen, dem er den Weg ebnen sollte,  auf Jesus. „Ich bin nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“, sagt Johannes von sich im Blick auf Jesus. Ist das übertriebene Demut? Falsches Sich-Kleinmachen? Johannes hat einmal gesagt: „Er, Jesus, muss wachsen, ich muss abnehmen.“ Er versteht sich als Vorläufer, als Wegbereiter. Und darin findet er eine ganz tiefe Freude. Einmal sagt er: „Der Freund des Bräutigams freut sich, wenn er dessen Stimme hört.“

 

Freude in dieser winterlichen, dunklen Zeit? Versuchen wird es mit der „Methode“ des Johannes: Lieber andere großmachen als niedermachen. Bessere andere hervorheben als sich selber wichtig  machen. Ich wage es, eine Garantie abzugeben: Das bringt Freude in die Dunkelheit!

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