Unter diesem Titel erschien 1957 ein Buch, das zu einem berühmten Bestseller wurde. Der amerikanische Autor, Vance Packard (1914-1996), wollte die Methoden der Werbung bloßstellen. Er nannte die Werbestrategen „the hidden persuaders“, die geheimen Verführer. Ich las damals, als Jugendlicher, dieses Buch, und hatte damit meine Not. Denn meine Mutter war in der Werbung tätig, sie leitete die Werbeabteilung einer Textilfabrik. Und so musste ich mir sagen: Wir, ihre Kinder, leben von der Werbung. Was aber, wenn es stimmt, dass die Werbeleute geheime Verführer sind? Leben wir also von einem unlauteren Geschäft? Gehört meine Mutter zu einer Art von Menschen, die andere verführen?
Diese Frage hat mich damals bewegt, und sie ist für mich bis heute aktuell geblieben. Heute, am ersten Fastensonntag, ist von dem Verführer schlechthin die Rede, und davon, dass er sogar Jesus verführen wollte. Er war dabei freilich kein „geheimer“, sondern ein ganz offener Verführer. Er hat Jesus „in Versuchung“ geführt. Wie er das tat, worin die Versuchung bestand, das sagt uns der Evangelist Markus nicht. Er fasst sich kurz und deutet nur an, dass diese Erprobung Jesu vierzig Tage gedauert hat.
Was es heißt, vierzig Tage allein in der Wüste auszuharren, das kann ich nur schwach erahnen. Erlebt habe ich es nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass in dieser völligen Einsamkeit der Wüste alle unsere Alltagszerstreuungen wegfallen. Es bleibt nur das Wesentliche. In dieser Situation hat Jesus den Versucher erlebt. Irgendwie muss es ums Ganze gegangen sein, um seinen Weg, seinen Auftrag, seine Sendung. Letztlich ging es um die Entscheidung, ob er Gott oder sich selber in den Mittelpunkt stellt. Und Jesus hat sich entschieden, Gott den ersten Platz zu geben. Offen und klar hat er sich für Gott und gegen den Verführer entschieden.
Vance Packard warf der Werbung vor, sie verführe die Menschen, aber nicht offen, sondern geheim. Die Werbung arbeite so, dass die Menschen nicht merken, wie sie manipuliert werden. Sie schleiche sich gewissermaßen in die Seele der Menschen ein und steuere ihre Vorstellungen und Wünsche. So geschehe es in der politischen Werbung ebenso wie in der Konsumwerbung. Immer gehe es darum, heimlich und verdeckt das Verhalten von Menschen für bestimmte politische oder wirtschaftliche Interessen zu beeinflussen.
Das heutige Evangelium von der Versuchung Jesu hat mich an das Buch von Vance Packard erinnert. Schon damals wurde Packard kritisiert. Er sehe die Werbung zu negativ, er vergesse, dass man ja auch für das Gute werben kann und soll. Sein Buch hat sicher dazu beigetragen, dass die Werbung sich heute selbst offen dazu verpflichtet, menschenverachtende und unsittliche Werbemethoden zu unterlassen.
Ob wir wollen oder nicht: Wir sind im Alltag von Werbung umgeben. Das gehört zu einer freien Gesellschaft, in der jeder seine Waren und Ideen anpreisen darf. Wo aber ist die Grenze zwischen fairer Werbung und den „geheimen Verführern“? Die vierzig Tage der Fastenzeit sind eine gute Gelegenheit, hier wachsamer zu werden. Wo liegen meine eigenen Versuchungen? Wo manipuliere ich selber andere, werde für sie zum Versucher? Und wo werbe ich für die gute Sache? Denn auch Jesus hat geworben: für das Evangelium! Für ein neues Leben! Für die Umkehr und den Glauben an Gottes Liebe.