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Gedanken zum Evangelium: Leben heißt Verwandlung

Gedanken  zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 1. März  2015. (Markus  9,2-10)

27.02.2015
© Lebenszeit/EDW

Das Leben kennt keinen Stillstand. Es ist ständig in Bewegung. Erst der Tod beendet den Wandel, der das ganze Leben lang geschieht. Aus einer Ei- und Samenzelle entsteht ein neues Menschenleben. Aus der Verschmelzung der beiden wird ein Mensch, zuerst eine, dann mehrere, schließlich unzählbare Zellen bilden das neue Menschenkind. Es wächst im Mutterschoß, und dank der modernen Technik kann man das Wunder des ständigen Wandels sehen, wie das Kind Gestalt annimmt, bis es das Licht der Welt erblickt und geboren wird.

 

Leben heißt Verwandlung. Vom Neugeborenen bis zum alten Menschen: Ständig wandelt sich das Aussehen, entwickelt sich die Person, verändert sich ihr Zustand. Und doch bleiben wir, wer wir sind. Vom ersten Moment der Empfängnis bis zum letzten Atemzug bin ich der, der ich bin: Ich, unverwechselbar und einmalig. Ich war dieses Baby, und ich bin dieser alternde Mensch. Ich war der Jugendliche, der Erwachsene, und jetzt der zu den „Senioren“ Zählende. Ich bleibe derselbe, und wandle mich doch ständig.

 

Warum ich diese an und für sich selbstverständlichen Dinge erwähne? Weil das Schlüsselwort des heutigen Evangeliums „Verwandlung“ ist. Freilich ist von einer ganz besonders einzigartigen Verwandlung die Rede. Unvergesslich hat sich den drei Begleitern Jesu eingeprägt, was sie damals mit ihm erlebt haben, als er sie alleine mitnahm auf einen hohen Berg in Galiläa, den Berg Tabor, nicht weit vom heimatlichen Nazareth entfernt.

 

Sie wurden Zeugen einer ganz eigenartigen Verwandlung Jesu: Vor ihren Augen verändert sich seine Gestalt, wird leuchtend, seine Kleider werden strahlend weiß. Und zwei Gestalten erscheinen und reden mit ihm. Sie glauben, Moses und Elias in ihnen zu erkennen. Und sie hören eine Stimme, die sagt: „Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“

 

Warum wird dieser Bericht von der „Verklärung“ Jesu gerade heute, am 2. Fastensonntag, gelesen? Ich glaube, der Grund ist einfach und klar: Auch die Fastenzeit hat dieses Ziel: unsere Verwandlung! Nicht einfach die ständige Veränderung, die das Leben von sich aus mitbringt. Nicht nur die dauernde Bewegung, in der uns das Leben hält. Das Ziel der Fastenzeit ist eine innere Erneuerung unseres Lebens. Es soll neue Leuchtkraft bekommen, licht und hell werden, wie Jesus am Berg Tabor.

 

Leben ist Verwandlung. Leider nicht automatisch zum Besseren. Manche Verwandlung geht nicht in Richtung Verklärung. Die Züge unseres Charakters können mit den Jahren schwieriger werden. Wir können uns nachteilig entwickeln, grantiger und grimmiger werden. Enttäuschungen können uns bitter machen, Menschen können sich zum Bösen hin verändern. Und auch zum Guten. Die Fastenzeit soll das Gute in uns stärken, uns positiv verändern. Das heutige Evangelium will Mut zu dieser Verwandlung machen.

 

Wie kommt sie zustande? Nicht von außen! Jesu Verwandlung auf dem Berg Tabor kam von innen. Was in ihm war, begann nach außen zu leuchten. Äußerlich werden wir jeden Tag älter. Aber innerlich können wir uns jeden Tag erneuern. Darum geht es in der Fastenzeit. Wenn Gott in unserem Herzen wohnt, wird uns das auch äußerlich verwandeln. Dafür gibt es keine Altersgrenze. Dazu braucht es keine Kosmetik. Das bewirkt allein ein liebendes Herz.

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