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Gedanken zur Lesung: Ein Fest für unsere Zukunft

Gedanken zur Lesung von Kardinal Christoph Schönborn an Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 14. Mai 2015. (Apostelgeschichte 1,1-11)

13.05.2015
Christi Himmelfahrt
© kathbild.at,rupprecht
Christi Himmelfahrt

Was bedeutet "Christi Himmelfahrt"? Was kann dieses Fest Menschen sagen, die nicht mit der Bibel und der Kirche vertraut sind? Was sicher alle gut verstehen, ist die Tatsache, dass dieses christliche Fest vielen einen arbeitsfreien Tag beschert, und dass nicht wenige dadurch ein verlängertes freies Wochenende nehmen können. Was aber feiern die Christen eigentlich am heutigen Tag? Und hat das eine Bedeutung, die auch Nichtchristen verstehen können?

 

Um es vorweg zu sagen: Für mich hat Christi Himmelfahrt eine dreifache Bedeutung: Es ist zuerst eine wichtige Etappe auf dem Weg, den Jesus selber gegangen ist. Dann ist es ein neuer Abschnitt auf dem Weg der von ihm gegründeten Gemeinschaft, der Kirche. Und schließlich ist es eine persönliche Botschaft an alle Menschen.

 

Jesus war tot. Qualvoll an den unbeschreiblichen Leiden der Kreuzigung gestorben, und dann gleich in ein nahegelegenes Grab gebettet. Am Ostermorgen, am dritten Tag nach seinem Tod, finden Frauen sein Grab leer. Und bald danach begegnen sie ihm selber. Leibhaftig, und doch nicht einfach wiederbelebt. Bei ihnen, und doch nicht mehr wie vorher. "Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen", wird uns berichtet. Mit dem heutigen Tag geht diese Phase zu Ende. Die Zeit der Erscheinungen ist vorbei. Jesus "wurde in den Himmel aufgenommen".

 

Für seine Anhänger beginnt eine neue Epoche: "Ihr werdet meine Zeugen sein … bis an die Grenzen der Erde." Von da an beginnt die Gemeinschaft der an Jesus Glaubenden sich über die ganze Welt auszubreiten. Der Evangelist Markus fasst das knapp so zusammen: "Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ." Und tatsächlich waren die "Himmelfahrt" Jesu und Pfingsten, zehn Tage später, sozusagen der Start für die unglaubliche Ausbreitung des Christentums, von Jerusalem aus "bis an die Grenzen der Erde". Ich kann mir dieses bis heute andauernde Wachsen der christlichen, weltweiten, alle Völker umfassenden Gemeinschaft letztlich nur so erklären, dass Jesus, der Herr, "vom Himmel her" durch sein andauerndes Wirken dieses Wachstum möglich macht. Er hat ja versprochen: "Seid gewiss! Ich bin bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Zeit."

 

Für mich hat dieses heutige Fest aber noch eine dritte Bedeutung. Es erinnert mich daran, dass auch mir eine "Himmelfahrt" bevorsteht. Einmal wird auch meine Erdenzeit zu Ende gehen. Einmal muss auch ich alles hier in dieser Welt zurücklassen. Wohin geht dann mein Weg? Was kommt nach diesem Leben? Jesu Himmelfahrt bedeutet seine Heimkehr. Dort, wohin er gegangen ist, wartet auch auf uns ein guter Gott, ein Zuhause, das ewige Leben. Auch wenn wir es uns nicht vorstellen können. Es ist uns versprochen, es ist uns zugesagt.

Christi Himmelfahrt – nicht nur ein langes Wochenende, sondern ein Ausblick auf das, was noch auf uns wartet. Wir sollten es nicht verdrängen. Es geht um unsere Zukunft.

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