Jesus heilt heute eine Frau, die zwölf Jahre gelitten hat. Jesus erweckt heute ein Mädchen vom Tod, das zwölf Jahre alt war. Zwei Wunder. Zwei von vielen, die Jesus vollbracht hat. Oft hat er Kranke geheilt. Mehrmals hat er Tote auferweckt. So erfreulich das ist, eine Frage drängt sich doch auf: warum gerade diese? Warum nicht mehr? Warum nicht alle?
Das heutige Evangelium gibt keine Antwort auf die allgemeine Frage, warum es Leid und Tod gibt. Aber es zeigt uns, dass Jesus Menschen begegnet, die von Leid und Tod betroffen sind, und dass er ihnen hilft. Da ist Jairus, der Synagogenvorsteher. Sein Töchterlein liegt im Sterben. Er vertraut, dass Jesus sie noch retten kann. Und Jesus lässt sich von seinem Kummer berühren.
Doch sie kommen nur langsam vorwärts. Eine dichte Menschenmenge macht es unmöglich, schnell zu dem sterbenden Kind zu gelangen. In der Menge ist auch diese seit zwölf Jahren leidende Frau. Sie hat alles versucht, ist zu vielen Ärzten gerannt, hat ihr Vermögen vergeblich für ihre Heilung ausgegeben. Sie drängt sich an Jesus heran, berührt sein Gewand und spürt, dass sie geheilt ist.
Jesus hat ebenfalls gespürt, dass etwas geschehen ist, dass „eine Kraft von ihm ausströmte“. Er will wissen, wer ihn berührt hat. Die Frau meldet sich „zitternd vor Furcht“, und Jesus tröstet sie, lobt ihren Glauben, ihr Vertrauen, dass seine Kraft sie heilen kann.
Das alles hat Jesus aufgehalten. Ich stelle mir vor, wie der Vater des sterbenden Kindes verzweifelt war. Da meldet man ihm: Deine Tochter ist schon tot. Es lohnt sich nicht mehr, Jesus zu bemühen. Doch Jairus hat Hoffnung gefasst. Eben ist er Zeuge der Heilung dieser Frau geworden. Wieso soll Jesus nicht auch seine Tochter retten können! Und tatsächlich ruft Jesus das Kind wieder ins Leben zurück.
Die Eltern und drei der zwölf Apostel wurden Zeugen dieses Wunders, wie es uns der Evangelist überliefert hat. Aber was heißt das für mich? Nur wenige erleben Wunder wie diese Menschen im Evangelium. Aber allen ist es möglich, auch heute Jesus zu begegnen. Wir können ihn berühren, erleben, wie von ihm eine Kraft ausgeht, die heilt, aufrichtet und hoffen lässt.