Heute beginnt, was einmal eine weltweite Gemeinschaft werden sollte. Heute hören wir, wie Jesus seine ersten Anhänger zum ersten Mal auf Mission schickt. "Mission", das heißt ja Sendung, Auftrag. Heute schickt Jesus die erste Gruppe seiner Jünger aus und gibt ihnen einen Auftrag: die Menschen zur Umkehr aufzurufen. Heute startet die erste christliche Mission.
Bei diesem Wort wird manchen etwas unwohl. "Mission", das klingt nach Zwangsbeglückung, Fanatismus, anderen die eigenen Ansichten aufnötigen. Auch Djihadisten betrachten sich als Missionare. Die IS-Leute wollen zu ihrer Auffassung von Islam bekehren, und schrecken dabei vor keinem Terror zurück. "Christliche Mission", das weckt nicht nur gute Erinnerungen. Da ging es nicht immer sehr christlich zu, wenn es darum ging, das Christentum zu verbreiten.
Heute handelt das Evangelium vom Anfang der christlichen Mission. Daran muss sie stets gemessen werden. Was gab Jesus seinen ersten "Missionaren" als Auftrag mit auf den Weg? Sicher keine Waffen! Auch von Zwang ist nie die Rede. Wohl von Macht! "Er gab ihnen Vollmacht." Aber nicht zum Herrschen, sondern zum Befreien. Sie sollen fähig werden, "unreine Geister auszutreiben". Das heißt doch: aus bösen Zwängen, falschen Fesseln, zerstörerischen Mächten zu befreien.
Ich sehe diesen Auftrag heute als ganz aktuell. Jede Zeit hat ihre Dämonen. Jeder Mensch braucht ein Stück Befreiung. Alle haben wir Zwänge, die belasten, unfrei machen. Ängstliche Sorgen um morgen. Böse Zungen, die verletzen und zerstören. Nachtragen, Verbitterung, Vorurteile und Vorverurteilen anderer. Und oft dazu die Fesseln der Selbstsucht, des Egoismus. Davon zu befreien gibt Jesus seinen Boten die Vollmacht.
Aber worin besteht diese Vollmacht? Wie wirkt sie? Mich wundert immer, wie Jesus seine ersten Missionare "ausgerüstet" hat. "Nehmt nichts auf den Weg mit!" Gerade einmal einen Wanderstab. Sonst nichts. Kein Geld, keinen Vorrat, keinen Koffer voll Gewand. Wer sich so auf den Weg macht, kommt alleine nicht weit. Er ist völlig auf die anderen angewiesen. Er hat nicht mehr als die Flüchtlinge, die heute in Europa ankommen.
Mit ganz leeren Händen schickt Jesus seine Boten aus, wie Bettler. Denn offensichtlich müssen sie um Brot bitten, brauchen die Hilfe anderer. Sie haben etwas zu geben. Aber sie brauchen auch die, denen sie etwas zu geben haben. Und das kann nur gelingen, wenn sie Menschen sind, die den anderen echt "auf Augenhöhe" begegnen. "Bleibt in dem Haus, … in dem man euch aufnimmt."
Zuerst geht es um Begegnung von Mensch zu Mensch. Die "Bekehrung" beginnt damit, dass wir selber vom hohen Ross heruntersteigen, einander Brüder werden, Geschwister, Freunde. Das kann nur gelingen, wenn ich bereit bin, mich von anderen beschenken zu lassen. Erst dann kann ich ihm auch mein Kostbarstes anbieten, meinen Glauben. Ein Gedicht von Gottfried Benn (1886-1956) beginnt mit den Worten: "Ich habe Menschen getroffen…" Geht es Jesus nicht vor allem darum, dass wir einander so begegnen? Das befreit und heilt!