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Gedanken zum Evangelium: Kommt, und ruht ein wenig aus

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 19. Juli 2015 (Markus 6,30-34).

16.07.2015
Himmelsstimmung auf Gozo
© Katharina Spörk
Himmelsstimmung auf Gozo

Es braucht im Leben beides: Die Zeiten der Arbeit und die Zeiten des Ausruhens: die Zeit der vollen Aktivität und die Zeit des Loslassens. Warum will die Bibel den Rhythmus von Arbeitswoche und Sabbatruhe? Warum kämpfen wir seit Jahren dafür, dass der arbeitsfreie Sonntag erhalten bleibt? Die „Allianz für den Sonntag“ vereinigt Kirchen, Gewerkschaften und wache Unternehmer und Gewerbetreibende: Wir alle wissen, dass der Mensch nicht nur arbeiten kann. Die Ruhepause des Sonntags darf nicht weiter ausgehöhlt werden.

 

Ferien haben diesen Sinn. Leib und Seele brauchen Zeiten der Entspannung. Das weiß auch Jesus. Das heutige Evangelium ist geradezu ein Schlüsselwort für das rechte Ausruhen. Die Apostel kommen von ihrer ersten Mission zurück. Sie sind ganz erfüllt von dem, was sie erlebt haben. Es muss sehr erfolgreich gewesen sein, weil die Menschen in Scharen nicht nur zu Jesus kommen, sondern auch zu ihnen. Sie finden „nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen“.

 

Da greift Jesus ein. Genug der Anstrengung, der Menschenmenge, die alle etwas wollen, suchen und bitten. Jesus entscheidet kurzerhand: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Und sie brechen auf per Boot, um an einem abgelegenen Platz am Seeufer ein wenig „Urlaub“ zu machen.

 

So wünsche auch ich mir den Urlaub: mit Menschen, die mir vertraut sind, eine Zeit zu verbringen, wo keine Termine drängen, kein Handy läutet, keine Verpflichtungen den Tagesablauf bestimmen. Und eine besondere Freude ist es, „mit Jesus“ Urlaub zu machen: Zeit zur Stille, Sammlung, zum Ausruhen bei Gott, in einer stillen Kirche, in der Natur, nicht in „amtlicher Funktion“ als Bischof, sondern einfach als Mensch.

 

Aber manchmal kommt es anders als geplant und gewünscht. Etwas kommt dazwischen, das alle Pläne über den Haufen wirft: eine Krankheit; eine dringende Verpflichtung beruflicher oder familiärer Art; oder gar ein Unfall am Urlaubsort. Alles ist plötzlich ganz anders. Es wird nichts aus der ruhigen Zeit. Urlaub ade! Enttäuschung, Trauer, Wut, Sorge, alle diese Gefühle kämpfen miteinander. Aber es bleibt dabei: Aus der Erholung wird nichts.

 

Anders kam es auch beim geplanten „Urlaub“ Jesu und seiner Apostel. Sie wollten Ruhe haben, aber die Leute ließen ihnen keine Ruhe. Während sie über den stillen See rudern, ihrem Ruheort entgegen, laufen Scharen von Menschen am Ufer entlang, ihnen nach, und kommen vor ihnen an. Ich versuche mir die Gesichter der Apostel vorzustellen, als sie diese riesige Menschenmenge sahen, die sie am Ufer erwartete. Das Evangelium schweigt darüber. Es hat den Blick ganz auf Jesus gerichtet: „Als er (aus dem Boot) ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“

 

Ich wünsche allen, die Urlaub machen können, eine möglichst erholsame und ungestörte Zeit. Sollte es anders kommen, dann ist Jesus ein großes Vorbild. Kein Ärger, kein Unwillen, kein Grant darüber, dass es anders kam. Vielmehr eine liebevolle, herzliche Zuwendung zu den Menschen, die so sehr Hilfe brauchen, auch wenn sie seinen „Urlaub“ stören.

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