Mitte August – der große Marientag! Man sagt, mit Maria Himmelfahrt breche der Sommer. Der Hochsommer ist zu Ende. Der Spätsommer beginnt. Und manche Tage lassen schon den Herbst spüren. Es fängt an zu „herbsteln“, wie wir sagen. Zwischen den großen Festen des Kirchenjahres und dem Wechsel der Jahreszeiten besteht ein geheimnisvolles Band.
Ähnliches gilt vom Vergleich des Jahreszyklus mit dem Lebenszyklus: Kindheit und Frühling, Jugend und Frühsommer, Erwachsensein und Hochsommer, Herbst und Lebensabend, Winter und Sterben, und immer neu die Hoffnung, dass das Leben siegreich ist und vom Tod aufersteht.
Mit Maria Himmelfahrt wendet sich der Sommer dem Herbst zu. Was bedeutet dieses Fest für den Lebenszyklus? Im christlichen Osten heißt der heutige Tag „Entschlafung der Gottesmutter“. Anders als bei uns ist dieses Ende freilich nicht einfach der Tod und das Grab, sondern die volle Heimkehr zu Gott, mit Seele und Leib. Nach altem Brauch werden heute Kräuter gesegnet. Marias Grab duftete, nach der Legende, denn sie blieb nicht im Tod. Auch ihr Leib durfte heimkehren, dorthin, wohin Jesus in seiner Auferstehung uns bereits vorausgegangen ist. Als Erste unter allen Menschen hat Jesus seine Mutter heimgeholt. Er nimmt an ihr vorweg, was er uns allen versprochen hat.
Während aber das Totengedenken Anfang November uns die Härte und Kälte des Todes bewusst macht, lässt uns die „Entschlafung“ Mariens auch etwas von der Milde und Sanftheit des Sterbens erahnen. Es tut gut, mitten im Sommer, an den Herbst des Lebens zu denken. Maria hilft uns dabei!
In der Bibel wird nicht über Marias letzte Erdentage berichtet. So legt uns die Kirche zum heutigen Fest ein Evangelium aus den jungen Jahren Marias vor, als ihre Schwangerschaft eben erst begonnen hatte. Mit dem Kind unter dem Herzen eilt sie zu ihrer viel älteren Verwandten, die nach langer Unfruchtbarkeit doch noch ein Kind bekommen kann. Das Evangelium schildert die Freude der Begegnung dieser beiden Schwangeren. Bei Elisabet regt sich das Kind heftig in ihrem Schoß, und sie selber empfindet das als Ausdruck seiner Freude, so als begrüßte ihr Kind schon das andere Kind, das Maria erwartet: „Gesegnet ist die Frucht deines Leibes!“
Die Freude der Elisabet und ihres Kindes löst in Maria ihrerseits einen wahren Jubel aus. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Maria die so starken und tiefen Worte, die aus ihrem Herzen kommen, einfach gesprochen hat. Solche Freude kann nur gesungen werden! Mit bloßen Worten kann man nicht jubeln. Wie gerne hätte ich Maria im „O-Ton“ ihren Lobgesang singen gehört! Ich habe selber das „Magnifikat“ (wie ihr Lied nach dem ersten Wort genannt wird) oft gesungen. Ich habe viele wunderbare Vertonungen gehört, von Monteverdi oder Bach, von Mozart und Haydn. Aber so wie sie es selber damals wohl gesungen hat, werden wir es, so hoffe ich, erst dann einmal „drüben“ hören können, wo sie uns erwartet.
Auch wenn der Sommer sich neigt, auch wenn das Leben auf Erden ein Ende hat, mit Maria bleibt die Freude: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“