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Gedanken zum Evangelium: Wollt auch ihr gehen?

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 23. August  2015 (Johannes 6,60-69).

21.08.2015
Jesus und Petrus
© kathbild.at,rupprecht
Jesus und Petrus

Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Was war es denn, was seine Zuhörer als unerträglich empfanden? Womit hat Jesus sie schockiert? Was hat Jesus denn bloß gesagt, dass seine eigenen Anhänger über ihn zu murren begannen? Es muss sehr anstößig gewesen sein, denn viele, die bisher Jesus gefolgt waren, zogen sich jetzt von ihm zurück, gingen nicht mehr mit ihm, wandten sich von ihm ab.

 

Was bewegt heute Menschen, mit Jesus zu gehen oder nicht mehr mit ihm zu gehen? Viele sagen heute, sie wollen oder können nichts (mehr) mit dem Weg der Kirche anfangen oder treten aus, oder fangen erst gar keinen Weg mit der Kirche an. Das heißt aber nicht, dass sie mit Jesus nichts zu tun haben wollen. Manche empfinden die Kirche, so wie sie sie erleben, eher als ein Hindernis, Jesus zu finden und mit ihm zu gehen. Andere haben Jesus gerade durch die Kirche gefunden. So ist es mir persönlich gegangen. Von meiner Jugend an habe ich die Kirche sehr stark als Heimat erleben dürfen. Hier ist mir auch Jesus als Weg und Vorbild vertraut geworden.

 

Was aber war damals so schockierend an Jesu Worten? Ganz konkret war es seine Aussage: „Mein Fleisch ist wirklich eine Speise, und mein Blut wirklich ein Trank.“ Und das hat er noch verstärkt, indem er behauptete, man müsse sein Fleisch essen und sein Blut trinken, um das Leben in sich zu haben und zum ewigen Leben zu gelangen.

 

Das war nun tatsächlich vielen seiner Zuhörer zu viel. Es war schlichtweg „unerträglich“. Haben sich die Christen so an solche Worte Jesu gewöhnt, dass sie nicht mehr daran Anstoß nehmen? Haben wir Jesus verharmlost? Wie viele der Worte Jesu müssten uns ähnlich „unerträglich“ scheinen, wenn wir sie wörtlich nehmen. Was Jesus über die Reichen gesagt hat („Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Reich Gottes“) oder über den Ehebruch („Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon mit ihr Ehebruch begangen“), ist das nicht viel zu radikal? Ist das lebbar? „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“: Ist das nicht zu anspruchsvoll? Aber war Jesus immer nur einer, der es allen recht machen will? Hat man nicht von ihm gesagt, er sei „ein Zeichen des Widerspruchs“?

 

Jesus hat damals, als so viele von ihm wegliefen, sie nicht zurückgehalten. Er hat sie auch nicht verurteilt und ihnen wilde Drohungen nachgeworfen. Immer hat er die Freiheit geachtet. Nie wollte er jemanden zum Glauben zwingen. Aber er hat auch seine Worte nicht abgeschwächt, um sie annehmbarer zu machen. Er hat zu einem tieferen Verständnis eingeladen: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben.“ Er lädt also ein, nicht an der Oberfläche hängen zu bleiben. Gerade bei diesen Worten über sein Fleisch, sein Blut ist das so deutlich.

 

Die heilige Messe ist das Herzstück des christlichen Glaubens. Brot und Wein sind die Gaben, die auf den Altar gelegt werden. Sie werden gewandelt durch die Worte Jesu: „Das ist mein Leib“ – „Das ist mein Blut.“ Wer diese Gaben isst und trinkt, empfängt nicht einfach Brot und Wein, sondern Jesus selber. Darum geht es Jesus!

 

„Wollt auch ihr weggehen?“ Jesus will niemanden festhalten. Petrus antwortet für die, die bleiben: „Herr, zu wem sollten wir gehen?“ Jesus ist nicht bequem. Sein Anspruch ist groß. Sein Weg nicht einfach. Und doch: Ich wüsste für mich keinen besseren. Ich bin froh, ihn gehen zu dürfen. Ich versuche es. Ich glaube, es lohnt sich.

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