Advent ist die Zeit der Hoffnung. „Guter Hoffnung sein“ – so sagte man früher für „schwanger sein“. Advent ist die Zeit der Schwangerschaft Marias. Sie erwartet ein Kind. Zu Weihnachten feiern wir seine Geburt. Die „Zeit ihrer Niederkunft“ ist nahe, wie ein anderer etwas altmodischer Ausdruck sagt.
Alle die schönen Worte sind aus dem Gebrauch gekommen, Worte, mit denen man die Schwangerschaft umschrieb: Ein Kind unter dem Herzen tragen. Oder: gesegneten Leibes sein. Stattdessen die ganze hochtechnische, medizinische Begleitung der Schwangerschaft mit ihren Untersuchungen und Tests…
Aber was verstehe ich schon davon, wie es ist, schwanger zu sein? Ein Kind zu erwarten? Die Freuden und Sorgen, die Mühen und die Hoffnungen, die Ängste und die Erlebnisse dieses wohl geheimnisvollsten Zustandes, durch den wir alle gegangen sind, ohne den keiner auf der Welt wäre: die neun Monate im Mutterschoß, von der Empfängnis bis zur Geburt!
Heute sehen wir im Evangelium dieses vierten Adventsonntags zwei schwangere Frauen. Es wird berichtet, wie sie einander begegnen. Maria steht ganz am Anfang ihrer Schwangerschaft. Elisabeth, ihre Verwandte, ist bereits im sechsten Monat. Lange hatte sie ein Kind erhofft, litt unter ihrer scheinbaren Unfruchtbarkeit. Schließlich können sie und ihr Mann Zacharias doch noch ein Kind bekommen.
So erleben beide, Maria und Elisabeth, ihre Schwangerschaft als ein Geschenk, ja als ein Wunder. Eigentlich ist jede Schwangerschaft ein Wunder. Es ist ein Wunder der Natur, wie aus zwei Zellen, der Ei- und der Samenzelle, ein neuer Mensch entsteht. So viel die Forschung auch inzwischen entdeckt hat über alle die Vorgänge, die im Werden des Embryos zusammenwirken, es bleibt ein wunderbares Geheimnis, wie wir entstehen und zum Leben kommen.
Noch geheimnisvoller ist die Begegnung der beiden Schwangeren, Maria und Elisabeth. Das Kind, das Elisabeth erwartet, reagiert heftig auf den Gruß Marias an ihre Verwandte. Es „hüpft vor Freude“ in ihrem Leib. Und Elisabeth grüßt Maria als „die Mutter meines Herrn“. Sie spürt, sie ahnt, dass das Kind, das Maria erwartet, etwas ganz Besonderes ist. Und Maria weiß es, dass es so ist. Denn sie hat dieses Kind ja nicht von Joseph, auch nicht von einem anderen Mann. Es ist Gottes Kind, ihr von Gott geschenkt. Elisabeth sagt es: „Gesegnet ist die Frucht deines Leibes!“
Ich freue mich immer, wenn ich eine Schwangere segnen darf. Oft habe ich es erlebt, das später eine Mutter mir sagt: „Dieses Kind haben Sie gesegnet, als ich mit ihm schwanger war!“ Ein wenig darf ich in solchen Momenten mitspüren, was Maria und Elisabeth bei ihrer Begegnung empfunden haben. In unserer Welt voller Gewalt und Unfrieden ist für mich das Bild der freudigen Begegnung dieser beiden Schwangeren eine große Hoffnung. Was ist wehrloser als eine schwangere Frau mit ihrem Kind? Und doch ist sie stärker als alle grausame Gewalt! Maria trägt Jesus unter dem Herzen, den Sohn Gottes, der ein Menschenkind werden wollte. Mit Elisabeth dürfen wir Maria danken, dass sie Ja gesagt und uns dieses Kind geboren hat. Es ist unsere ganze Hoffnung!