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Gedanken zum Evangelium: Wie Vertrauen wächst

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 7. Februar 2016. (Lukas 5,1-11)

05.02.2016
Gedanken zum Evangelium: Wie Vertrauen wächst
© Pixabay/EDW
Gedanken zum Evangelium: Wie Vertrauen wächst

Mich beeindruckt am heutigen Evangelium immer neu das Wort des Petrus: „Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“ Er ist Fischer von Beruf. Petrus und seine Kollegen haben gerade eine völlig erfolglose Nacht hinter sich: „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.“ Sie wissen, dass jetzt, da es heller Tag ist, erst recht kein guter Fischfang zu erwarten ist. Sie wissen, dass Jesus keine Ahnung vom Beruf des Fischers hat. Er ist gelernter Zimmermann und hat bisher nie am See gelebt.

 

Was soll also seine Aufforderung, noch einmal zum Fischen hinauszufahren, noch einmal die Netze auszuwerfen? Eigentlich völlig unsinnig! Es widerspricht aller Erfahrung. Wieso sagt Simon Petrus dann doch zu Jesus: „Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen?“

 

Petrus vertraut! Um das geht es! Im Vertrauen auf Jesus macht er etwas, was ihm normalerweise als ganz unvernünftig erscheinen muss. Warum vertraut er Jesus? Das ist, so scheint es mir, der Kern des heutigen Evangeliums. Gottvertrauen! Vertrauen auf Jesus! Und auch das gegenseitige Vertrauen unter uns Menschen.

 

Was lässt uns vertrauen? Wann wird Vertrauen leichtsinnig? Man sagt ja oft: Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser! Braucht es nicht auch ein gewisses Maß an Misstrauen? Doch andererseits sprechen die Psychologen vom „Urvertrauen“, ohne das wir gar nicht recht leben können. Misstrauen kann krankhaft werden. Kinder, die von früh an in ihrem Vertrauen immer wieder verletzt worden sind, tun sich im Leben schwer, ein gesundes Maß an Vertrauen aufzubringen. Besonders schmerzlich ist es, wenn durch solche Verletzungen das Urvertrauen in Gott zerstört wurde.

 

Was bewog Petrus, Jesus so viel Vertrauen zu schenken? Vertrauen muss wachsen. Es braucht gute Erfahrungen. Petrus kennt Jesus noch nicht lange. Doch in der kurzen Zeit, seit er und einige andere mit Jesus unterwegs sind, haben sie Vertrauen gewonnen. Sie haben Jesus erlebt. Sie haben ihm lange zugehört. Sie haben gesehen, wie auf sein Wort hin Kranke völlig gesund wurden. Sie haben gespürt, dass auf sein Wort Verlass ist. Das alles schwingt mit in der Antwort, die Petrus Jesus gibt: „Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“

 

Was dann geschah, war für Petrus und seine Kollegen unfassbar. Eine so große Menge Fische, dass beide Boote bis zum Rand voll waren. Die Reaktion des Petrus ist überraschend: kein Jubel, keine Begeisterung über so viele Fische. Vielmehr: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein Sünder!“ Heiliger Schrecken hat ihn erfasst. Petrus und die Kollegen haben nicht einfach nur Fischerglück gehabt, nach einer erfolglosen Nacht. Sie sind in Jesus Gott selber begegnet. Petrus fällt Jesus zu Füßen, weil er ahnt, dass in Jesus Gott unter uns gegenwärtig ist. Später wird er es ausdrücklich zu Jesus sagen: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

 

Das Vertrauen wächst durch gute Erfahrungen. Deshalb konnten sie, Petrus und die anderen, damals den Schritt wagen, der ihr Leben für immer bestimmen sollte: „Sie ließen alles zurück und folgten ihm nach.“

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