Man nennt es: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Selten hat Jesus so klar gesagt, was sein Herzensanliegen ist. Um es zu verstehen, empfehle ich einen einfachen Test: Versuchen wir uns in jede er drei Hauptpersonen hineinzudenken. Was entdecke ich dabei über mich selber, mein Verhalten, meine Einstellungen?
Der jüngere Sohn will frei sein, selbständig, unabhängig. Obwohl der Vater noch lebt, verlangt er jetzt schon sein Erbteil. Der ältere Bruder muss ansehen, wie der Vater dem frechen Jüngeren das Erbe ausbezahlt. Unerfahren, leichtsinnig, lebenshungrig verjubelt dieser schnell sein Vermögen. In der Not denkt er an zu Hause. Testfrage: Habe ich Ähnliches erlebt? Leichtsinn mit schmerzlichen Folgen? Haben mich leidvolle Erfahrungen zu Besinnung und Reue bewegt? Kenne ich die Sehnsucht nach Heimkehr?
Der Vater wartet auf den verlorenen Sohn, trotz allem, was er getan hat. Kein Wort des Vorwurfs. Nur eine feste, lange Umarmung! Und riesige Freude! Es ist ein Fest! Testfrage: Kann ich so verzeihen? So auf den zugehen, der mich enttäuscht hat? Ohne Bitterkein? Obwohl doch viel Vermögen dabei verloren ging! Was sagt mir die Haltung des Vaters?
Den Zorn und die Bitterkeit des älteren Bruders kann ich gut verstehen. Ich hätte wohl ähnlich reagiert. Zornig ist er vor allem auf den Vater. Ihm wirft er vor, seinem nichtsnutzigen Sohn alles zu verzeihen. Jetzt muss er, der brav zu Hause geblieben war und stets gearbeitet hat, sein Erbe mit dem anderen teilen. Testfrage: Bin ich bereit, wie der Vater von Herzen zu verzeihen? Oder bleibe ich bei meinem Zorn? Unversöhnt und hart?
Lassen wir jeden der Drei auf uns wirken! Sie stellen mein eigenes Verhalten ordentlich in Frage. Aber genau das wollte ja Jesus.