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Ostererinnerung ans Heilige Land

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 10. April 2016 (Joh 21,1-19)

09.04.2016
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 10. April 2016 (Joh 21,1-19)
© Stefan Kronthaler
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 10. April 2016 (Joh 21,1-19)

Unvergesslich die Morgenstimmung am See Genesareth. Vielleicht habe ich sie damals, in der Osterzeit, so stark empfunden, weil sie mich an das heutige Evangelium erinnert hat: „Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.“ Ich versuchte mir vorzustellen, wie die sieben Jünger Jesu, nach einer erfolglosen Nacht des Fischens ihn am Ufer stehen sehen, ohne ihn zu erkennen. „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Sie können ihm nichts bieten.

 

Der Unbekannte fordert sie auf, es noch einmal zu versuchen und plötzlich ist das Netz unfassbar voll. Da dämmert es ihnen. Johannes sagt: „Es ist der Herr!“ Und Petrus wirft sich ins Wasser, hin zu Jesus.

 

Mich bewegt dieser Ausruf: „Es ist der Herr!“ In einer schwierigen Situation, in einer scheinbar aussichtlosen Lage, kann Hoffnung aufleuchten, sich ein Weg auftun: „Es ist der Herr!“ Er ist da, ganz nahe, auch wenn wir ihn nicht erkannt haben. Solche Erfahrungen geben Trost und Kraft. Sie geben die Gewissheit, dass der Herr uns nicht verlässt. Er wartet auf uns!

 

Die besondere Stimmung an diesem Morgen hatte aber auch mit der dann folgenden Szene zu tun. „Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: … liebst du mich?“ Drei Mal stellt Jesus ihm diese Frage, bis Petrus schließlich traurig wird, „weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb?“ Drei Mal hat Petrus Jesus verleugnet. Immer noch schmerzt es ihn. Drei Mal sagt er Jesus fest und entschieden: „Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich liebhabe.“

 

Diese Frage Jesu bewegte mich damals. Sie steht immer noch im Raum. Das erste Gebot lautet, wir sollen Gott lieben aus ganzem Herzen. Jesus aber spricht nicht von einem Gebot, sondern von einer Beziehung: „Simon, liebst du mich?“ Christsein bedeutet nicht zuerst, einen langen Katalog von Vorschriften einzuhalten, sondern Jesus persönlich zu antworten: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.“

 

Es tut gut, die Worte Jesu einmal dort zu hören, wo er sie ursprünglich gesprochen hat. Viele haben durch eine Pilgerfahrt ins Heilige Land diese positive Erfahrung gemacht. Ins Leben umsetzen müssen wir die Worte Jesu freilich hier, in unserem Alltag.

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