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Freude an der Liebe

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am 24. April 2016 (Joh 13,31-33a.34-35)

22.04.2016
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am 24. April 2016 (Joh 13,31-33a.34-35)
© pixabay/ EDW
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am 24. April 2016 (Joh 13,31-33a.34-35)

Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt! Mich „reißt“ es immer bei diesem Wort Jesu. Ich weiß sicher: Ja, das stimmt! Nichts ist glaubwürdiger als echte Liebe! Und zugleich sage ich mir: wie wenig gelingt uns das, uns, die wir behaupten, Christen zu sein, Jünger Jesu! Das Wort Jesu stimmt einfach: Glaubhaft ist nur echte, ungeheuchelte, gelebte Liebe. Und da diese nicht so leicht und selbstverständlich gelingt, ist auch das Christentum so wie wir es leben, oft nicht besonders glaubwürdig.

 

Das muss Jesus selber gewusst haben. Denn er spricht von einem „neuen Gebot“. Um es zu verwirklichen, braucht es also etwas mehr als das Alte, das Selbstverständliche und Gewohnte. Was ist neu an diesem Gebot: Liebt einander? Tun wir das denn nicht eh schon? Zumindest wünschen wir es uns, hoffen darauf, sehnen uns danach. Wer wünscht sich nicht, dass die Liebe gelingt?

 

Papst Franziskus hat am 8. April sein großes Schreiben über die Familie veröffentlicht. Ich durfte es in Rom vorstellen. Es trägt den Titel: „Die Freude der Liebe“ („Amoris laetitia“). In seiner anschaulichen, lebensnahen Art spricht Papst Franziskus von dem, was die Liebe in der Ehe, in der Familie gelingen lässt, und was sie gefährdet oder gar scheitern lässt. Vor allem aber bringt er seine Überzeugung zum Ausdruck, dass die Liebe möglich ist, und dass sie Freude schenkt.

 

Bei Hochzeiten wird gerne als Bibeltext das „Hohelied der Liebe“ gelesen, das 13. Kapitel des ersten Korintherbriefs des Apostels Paulus. Viele Brautpaare sehen in diesem wunderschönen Text so etwas wie „die Charta der geglückten Liebe“. Papst Franziskus widmet diesem berühmten und berührenden Text ein ganzes Kapitel seines Schreibens. „Hätte ich die Liebe nicht“, so nützt mir alles andere nichts, sagt Paulus, um dann aufzuzählen, was alles echte Liebe ausmacht: „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf … Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: doch am Größten unter ihnen ist die Liebe.“

 

Es ist eigenartig: Dieses große Loblied auf die Liebe begeistert, reißt mit. Es passt zur Freude einer Hochzeit. Und zugleich müssen wir zugeben: Leicht und einfach ist das alles nicht, was da von der Liebe gesagt wird. Wer schafft das? Kann das jemals wirklich gelingen? Ich denke, dass deshalb Jesus es das „neue Gebot“ nennt. Die Erfahrung zeigt: die Liebe ist ein Weg. Und ein Ziel. Wir sind ein Leben lang auf dem Weg zu diesem Ziel. Das so beeindruckende Schreiben von Papst Franziskus über „die Freude der Liebe“ macht Mut, sich auf diesen Weg zu machen und auf ihm zu bleiben.

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