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Christi Himmelfahrt – wohin?

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zur Lesung am 5. Mai 2016 (Apg 1,1-11)

04.05.2016
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zur Lesung, 5. Mai 2016 (Apg 1,1-11)
© kathbild.at/Rupprecht
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zur Lesung, 5. Mai 2016 (Apg 1,1-11)

Was bedeutet „Himmelfahrt“? Und was meint die Ankündigung: „Er wird wiederkommen?“ In einem Land mit tief verwurzelter christlicher Tradition müssten wir annehmen, dass beides, die „Himmelfahrt Christi“ und seine erwartete Wiederkunft, für die meisten Menschen bekannte und vertraute Inhalte des christlichen Glaubens sind. Beide stehen ja im Glaubensbekenntnis der Kirche, das bei so vielen Anlässen gesprochen wird, bei Taufen und Hochzeiten, bei Begräbnissen und vor allem in jeder Sonntagsmesse.

 

Alle wissen wir, dass heute „Christi Himmelfahrt“ gefeiert wird, und viele freuen sich über einen freien Tag. Was aber ist wirklich damit gemeint? Ich versuche es in einfachen Worten zu sagen: Christi Himmelfahrt heißt: Jesus ist nicht mehr so in dieser Welt wie damals, als er hier lebte. Aber er ist auch nicht einfach weg. Er ist von uns gegangen und bleibt doch nahe. Er hat es selber gesagt: „Ich bin bei euch, alle Tage, bis zum Ende der Zeit.“

 

Wie ist das zu verstehen? Er ist „im Himmel“ und doch da bei uns? Sicher nicht „halb-und-halb“, bisschen „dort oben“ und bisschen „hier unten“. Er ist kein „Pendler“ zwischen zwei Welten, so wie heute viele oft mühsam zwischen Wohnort und Arbeitsplatz pendeln müssen.

 

Wenn ein lieber Mensch stirbt, ist es immer ein trauriger Abschied. Wir glauben zwar, dass die Verstorbenen nicht einfach „weg“ sind. Es bleibt eine Verbundenheit. Am Anfang ist die Erinnerung noch ganz lebendig, aber mit den Jahren verblasst sie. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, das erleben wir manchmal schmerzlich auch ganz lieben Verstorbenen gegenüber.

 

Beim Abschied Jesu sieht es anders aus. Man würde erwarten, dass seine Weggefährten traurig und geknickt waren, als er ihnen „abhanden“ kam. Das Gegenteil ist der Fall. Der Evangelist Lukas berichtet: „Dann kehrten sie mit großer Freude nach Jerusalem zurück.“ Woher diese Freude? Warum keine Tränen des Abschieds?

 

Seither sind fast zweitausend Jahre vergangen. Aber die Erinnerung an Jesus ist nicht verblasst. Ich kann mir das nur so erklären, dass seit damals, ununterbrochen bis heute, Menschen erleben, dass Jesus Wort gehalten hat: „Ich bin bei euch, alle Tage…“ Er ist ganz bei Gott und ganz bei uns. Das meint das heutige Fest.

 

Damit wird auch seine zweite Bedeutung verständlich:Jesus werde „ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen“. So wie die Himmelfahrt Jesu keine „Raumfahrt“ bedeutet, so ist auch seine Wiederkunft nicht eine Art Landung von Außerirdischen.

 

Gewiss, es wird einmal ein „Ende der Welt“ geben. Aber darüber sollen wir nicht spekulieren. Das liegt allein in Gottes Hand! Sicher aber ist, dass Christus jetzt schon kommt. Immer wenn er bei einem Menschen an die Tür seines Lebens klopft, ist das schon ein Stück seiner „Wiederkunft“. Und wer ihm aufmacht, wird nicht enttäuscht. Er ist wirklich bei uns.

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