Weil sie viel geliebt hat, ist ihr viel vergeben worden! Liebe und Verzeihen: Das ist das große Thema dieses wunderbaren Evangeliums. Ohne Liebe ist alles hohl und leer. Warum haben wir so viel Angst vor der Liebe?
Zwei Personen stehen mit Jesus im Blickpunkt dieses Evangeliums: ein anständiger, frommer Mann und eine als unanständige Sünderin geltende Frau. Sie hat ihre Ehre verloren, er ist ein geehrter, angesehener Mann. Sie lebt mit der Last der Verachtung, er erfreut sich des guten Rufes. In diesem Gegenüber von zwei ganz gegensätzlichen Lebenssituationen wird schließlich die Sünderin als die Größere erscheinen. Der Pharisäer muss erkennen, dass sie mehr Liebe hat als er. Und damit führt Jesus uns, seine Hörer und Leser, vor die ganz persönliche Frage: Wie steht es in deinem Leben mit der Liebe?
Spontan verstehe ich die Empörung des Gastgebers über diese aufdringliche Frau, die das Gastmahl mit ihrem Schluchzen und ihrem Verhalten stört. Er hat Jesus als Ehrengast zu Tisch geladen. Alle reden von dem Rabbi aus Nazareth, der so große Wunder wirkt. Ihm, dem Pharisäer, ist es gelungen, den berühmten Jesus als Gast in sein Haus zu bekommen. Das Mahl beginnt.
Da drängt sich eine ortsbekannte Frau zu Jesus durch und beginnt bitter zu weinen. Peinliche Stille! Doch damit nicht genug. Sie salbt Jesus die Füße, küsst sie innig, ihre Tränen rinnen über seine Füße, und mit ihren Haaren trocknet sie die Tränen ab. Jesus lässt sie tun, was ihr Herz verlangt.
Der Gastgeber zweifelt an Jesus: „Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.“ Weil Jesus wirklich ein Prophet ist, weiß er, was sein Gastgeber denkt! Und jetzt gibt er ihm (und uns!) eine Lektion, die er wohl nie vergessen hat und die uns hoffentlich unvergesslich bleibt.
Es ist eine harte, aber ehrliche Abrechnung mit dem Pharisäer: Du hast mich eingeladen? Gut, aber es ging dir mehr um deine Ehre, einen berühmten Mann als Gast zu haben. Dafür hast du mir aber wenig Ehre erwiesen, und noch weniger Liebe! Diese Frau, die du als große Sünderin siehst, hat mir echte Liebe gezeigt, anders als du. Sie mag eine große Sünderin sein. Bist du ohne Sünde? Sie hat Liebe gesucht und geschenkt, wenn auch auf sündige Weise. Dein Stolz, deine allen gezeigte Frömmigkeit haben dich hartherzig gemacht. Du verachtest sie, bist aber selber weit hinter ihr, was die Liebe betrifft. Was zählt schon schließlich im Leben? Wonach werden wir einmal beurteilt? Nur danach: Hast du geliebt?