Heute ist Christophorustag. Christophorus ist der Schutzpatron der Reisenden, besonders der Autofahrer. Beliebt ist deshalb eine Christophorusmedaille im Auto. Zu wenig bekannt ist die Christophorussammlung. Für jeden unfallfreien Kilometer möge man eine kleine Spende geben. Die MIVA ermöglicht mit diesem Geld den Kauf von Hilfsfahrzeugen in den armen Ländern.
Hilft Christophorus? Hilft es, um seinen Schutz zu bitten? Früher gab es eine Fülle von Fürsprechern für alle Lebenslagen und Nöte. Wer ruft heute noch die heilige Apollonia um Hilfe, wenn das Zahnweh plagt? Da gehen wir lieber zum Zahnarzt. Als ich vor Jahren eine ernste Trombose hatte, wurde ich im Wilhelminenspital ausgezeichnet behandelt. Aber Professor Partsch, der großartige Facharzt, hat mich auch mit dem heiligen Peregrin bekanntgemacht, dem Helfer der an Beinleiden Erkrankten. Nicht entweder Arzt oder heiliger Nothelfer, nicht entweder Medizin oder Gebet, sondern beides, so lautete die Devise von Professor Partsch.
Wozu beten? Nicht um sich die Mühe, die Arbeit, das Helfen zu ersparen. Gebet ist nicht ein Freibrief fürs Nichtstun. Ist das Beten also eine Art „Zusatzversicherung“? Nach dem Motto: Hilft es nichts, so schadet es nichts! Wozu also beten? Was sagt uns das heutige Evangelium dazu?
Es beginnt mit einer Erfahrung, nicht mit einer Theorie. Jesus betet. Er tut es oft. Am Tag und in der Nacht. Und seine Begleiter beobachten ihn immer wieder. Es macht sie neugierig. Wie macht er das, beten? Es beeindruckt sie, ihn betend zu erleben. Sie wagen es nicht, ihn zu stören. Sie warten, bis er fertig gebetet hat. Dann erst traut sich ein Jünger das auszusprechen, was die anderen auch denken: Herr, lehre uns beten!
Wozu beten? Man kann darüber spekulieren: Warum sollen wir beten, wenn Gott eh alles weiß? Wir brauchen ihm doch nicht zu erklären, er versteht ja sowieso, was wir benötigen. Wird Gott wegen meinem Gebet seine Pläne ändern? Was aber, wenn die einen um Regen, die anderen um Sonnenschein beten? Oder wenn jeder für seine Fußballmannschaft um den Sieg betet? Gewinnen die, die besser beten? Oder die, die besser trainiert haben?
Wozu beten? Seit jeher haben Menschen gebetet. Immer haben sie Hilfe von oben erhofft. Aber Jesus hat etwas Neues gebracht. Er hat nicht irgendwie gebetet, sich an eine höhere Macht gewandt. Er hat zu jemandem gesprochen, den er einfach „Vater“ nannte, und er hat uns Mut gemacht, so wie er zu beten.
Zu Gott gehen wir nicht wie zu einem Fremden, sondern wie zu einem Freund. Nichts soll, nichts kann uns abhalten, einfach bei ihm anzuklopfen, voll Vertrauen, ohne Angst, zu stören. Nie werden wir ihm lästig sein. Denn er ist immer für uns da: „Klopft an, dann wird euch geöffnet.“ So klar sagt es Jesus: „Wer bittet, der empfängt.“ Nicht immer genau das, was er erbittet. Aber immer eine Hilfe. Weil Gott uns wirklich Vater ist. Und wozu die Heiligen, Christophorus, Peregrin und die anderen? Nun: Weil sie Gottes Freunde sind, wollen sie uns helfen wie Er!