Nun ziehen sie wieder von Haus zu Haus und von Tür zu Tür: die Heiligen Drei Könige. Nicht sie selber, sondern 85.000 Kinder und Jugendliche, als Kaspar, Melchior und Balthasar gekleidet, mit dem Stern und mit der Kasse, in die alle die vielen Spenden kommen von Menschen, die ihre Tür öffnen, und auch ihr Herz und ihr Geldbörsel. Und so kommt auch heuer wieder die größte Spendenaktion des Landes zustande, durch die weltweit Projekte für Kinder in Not finanziert werden können. Danke schon jetzt allen Spendern!
Doch was bedeutet das Ereignis, das am Ursprung der Dreikönigsaktion steht? Wer waren sie, diese „Sterndeuter aus dem Osten“, deren Kommen nach Jerusalem und nach Bethlehem wir heute feiern? Was war der Sinn und Zweck ihrer weiten Reise? Und was haben sie uns heute zu sagen? Um die Botschaft des heutigen Festes zu verstehen, müssen wir das Zeugnis der Heiligen Schrift befragen. Wer sind die ersten „Besucher“ beim neugeborenen Kind? Zwei Gruppen nennen die Evangelien: die Hirten vom Feld nahe bei Bethlehem, und die Sterndeuter aus dem Osten.
Zwischen beiden Gruppen besteht ein großer Unterschied: Hier die einfachen Hirten, keine Hochgebildeten, keine bedeutenden Leute in den Augen der Menschen. Dort die Weisen aus dem Orient, höchst gebildete, echte Experten, hochangesehene Forscher, bedeutende Kenner der geheimnisvollen Welt der Gestirne. Und beide finden den Weg zum „neugeborenen König der Juden“.
Die Frage, die das Evangelium uns stellt, lautet daher: Wie finden Menschen heute zu Jesus? Und was bedeutet es, Jesus zu finden? Die erste Antwort, die ich aus der Erfahrung dieser beiden Gruppen entnehme, lautet: Jesus kann von allen Menschen gefunden werden. Denn er ist für alle Menschen gekommen, egal welcher Herkunft, welchen Standes, welcher Bildung. Die Hirten kommen aus der Nachbarschaft. Die Sterndeuter aus der Ferne. Beide finden sie den Weg zu Jesus.
Eine zweite Antwort: Beide Gruppen erleben eine große Freude. Freude ist das Kennzeichen der Begegnung mit Jesus. In den harten Alltag der Hirten bringt das Kind von Bethlehem ein helles Licht. Und den Weisen des Ostens bedeutet der Stern, der über Bethlehem stehen bleibt, eine „sehr große Freude“: Wer auch immer Jesus findet, dem wird tiefe und große Freude geschenkt. Diese Erfahrung können Menschen aller Jahrhunderte bestätigen. Ich denke da etwa an den wunderschönen Choral von Johann Sebastian Bach, „Jesus, meine Freude“.
Noch eine Antwort geben uns beide Gruppen: Um Jesus zu finden, muss man sich auf den Weg machen. Für die Hirten war der Weg kurz, das Hirtenfeld ist nahe bei Bethlehem. Oft genügen ein paar Schritte, um Jesus nahe zu kommen. Ein gutes Wort, ein wohlwollender Blick, eine ausgestreckte Hand dem Nächsten gegenüber, kann uns zur Freude einer Begegnung mit Jesus werden. Die Sterndeuter hatten einen sehr weiten Weg. Manche Menschen müssen lange suchen, um Gott in Jesus zu finden. Umso größer ist die Freude des Findens. Und umso bewundernswerter ist der Mut, sich auf diesen weiten Weg zu machen. Ein Vorbild für alle, die in ihrem Leben Gott suchen. Sie werden nicht enttäuscht.