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Ohne Wenn und Aber

Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 12. Februar  2017 (Matthäus 5,20-22a.27-28.33-34a.37).

11.02.2017
Steintafel mit den 10 Geboten
© Rupprecht@kathbild.at
Steintafel mit den 10 Geboten

Es kam einmal ein junger Mann zu Jesus und fragte ihn: „Meister, was muss ich Gutes tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Jesus gibt ihm eine ganz einfache Antwort: „Halte die Gebote!“ Und Jesus meint damit die Zehn Gebote. Ausdrücklich nennt er einige: „Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen…“

 

Jesus erinnert ihn einfach an das, was wir alle gelernt haben (und hoffentlich nicht vergessen haben): die beiden Tafeln der Zehn Gebote Gottes. Wenn du dich an sie hältst, werden sie dich halten und dir den Weg zum ewigen Leben öffnen.

 

Heute geht Jesus einen Schritt weiter. Er macht unmissverständlich klar, dass es zu wenig ist, wenn du gerade das Minimum erfüllt hast. Die Gebote Gottes, wie sie Mose am Berg Sinai von Gott erhalten hat, sind auf äußere Handlungen bezogen: Töten, Ehebrechen, Stehlen, Lügen. Es ist gut, sehr gut, wenn wir es nie zu solchen Handlungen kommen lassen. Für unser Zusammenleben im Kleinen der Familie oder im Großen der Staaten wäre es schon etwas Hervorragendes, wenn all das unter uns keinen Platz hätte, wenn wir einander nicht belügen und betrügen oder gar uns gegenseitig umbringen.

 

Jesus genügt das nicht. Aus einem einfachen und einsichtigen Grund: Die bösen Taten haben eine „Vorlaufzeit“: Selten überfallen sie uns aus heiterem Himmel. Sie sind meist das „Endprodukt“ einer längeren Vorbereitung. Auf die zielt Jesus ab. Er legt die Wurzeln unserer bösen Taten frei. Sie entspringen unseren Herzen, unseren Gedanken und verkehrten Haltungen.

 

Ich habe oft als eine Art Ausweis für die eigene Güte gehört: „Ich habe doch niemanden umgebracht.“ Gott sei Dank! Aber Jesus schärft unser Gewissen: „Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ Mich erschreckt der Ton vieler „Postings“ in den Internet-Foren. Das Strafrecht beginnt sich mit den „Hass-Postings“ zu beschäftigen. Denn die Erfahrung zeigt: Was mit Worten des Hasses, der Verachtung, des Heruntermachens beginnt, kann in Gewalt und Terror enden.

 

Jesus begnügt sich nicht mit einer rein äußerlichen Anständigkeit. Sie kann sehr brüchig sein. Wenn wir uns nicht um ein wirkliches Wohlwollen im Herzen bemühen, wird es unter uns keinen echten Frieden geben. Ich erinnere mich an ein Wort, das mein Vater mir einmal sagte, als ich schlecht über jemand sprach: „Wie willst du, dass er gut wird, wenn du schlecht von ihm denkst?“

 

Ehebruch beginnt nicht, wenn es zum Vollzug kommt. Jesus ist da sehr nüchtern. Ehebruch beginnt im Herzen. Nicht erst die Tat ist Ehebruch, sondern schon der begehrliche Blick. In einer Gesellschaft, in der der Mann (fast) alle Rechte hatte und die Frau sehr wenig Schutz erfuhr, waren Jesu Worte auch eine Aufforderung zur Achtung vor der Würde der Frau. Sie haben nichts an Aktualität verloren.

 

Und schließlich Jesu Worte über das Schwören und die Wahrhaftigkeit. „Schwört überhaupt nicht!“ Leider haben wir uns zu wenig an diese klare Weisung gehalten. Auch in der Kirche sind Amtseide immer noch üblich. Warum schwören wir? Weil wir einander nicht vertrauen. Weil unsere Worte so oft nicht wirklich ehrlich sind. Wie gut tut es, wenn wir uns auf das Wort des anderen verlassen können, auf sein klares Ja oder Nein. Alle diese Weisungen Jesu sind anspruchsvoll. Aber sie stimmen einfach, ohne Wenn und Aber! 

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