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Der Anfang vom guten Ende

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 9. April 2017 (Mt 21,1-11)

07.04.2017
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 9. April 2017 (Mt 21,1-11)
© Karim Sinjari
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium, 9. April 2017 (Mt 21,1-11)

Was für ein Gegensatz! Fast täglich erreichen uns Nachrichten aus Mossul, der zweitgrößten Stadt des leidgeprüften Irak. 2014 wurde Mossul von den IS-Truppen erobert. Sie errichteten dort ihr Terrorregime. Viele flohen, vor allem die Christen, die dort seit 2000 Jahren ihre Heimat hatten. Inzwischen tobt der Befreiungskrieg. Ein Großteil der Stadt konnte zurückerobert werden. Aber der IS-Terror hält sich noch zäh in der Altstadt und es wird noch viele Opfer geben, bis die Stadt endlich befreit ist. Viele Christen hoffen, in ihre alte Heimatstadt zurückkehren zu können.

 

Was für ein Gegensatz! Jesus kommt nach Jerusalem nicht mit Panzern und schweren Waffen. Er will Jerusalem gewinnen, nicht erobern. Er will es befreien, aber nicht mit Gewalt. Und sein Einzug in der Stadt ist keine blutige Schlacht, mit vielen Todesopern. Es gibt nur einen Toten, und der ist er selber. Denn er kommt nicht, um als politischer Machthaber, als militärischer Sieger zu herrschen, sondern um sein Leben für Jerusalem zu geben, für sein Volk und für alle Menschen.

 

Was hat der Palmsonntag in einer Welt voller Gewalt und Terror zu sagen? Jedes Jahr wird dieser Tag mit der Segnung der Palmzweige oder der „Palmkatzerln“ begangen. Beliebt ist die Palmprozession. Sie ist kein Protestmarsch, keine lautstarke Demonstration. Sie zeigt, wie Jesus auch heute unter uns ankommen will. Jesus borgt sich ein Reittier aus, um in Jerusalem einzuziehen. Kein Pferd, das an die kriegerische Reiterei erinnern würde, sondern eine Eselin mit ihrem Fohlen. Alle verstehen dieses Zeichen. Denn in der Bibel steht, der verheißene Friedenskönig werde nicht hoch zu Ross kommen, sondern „friedfertig reitet er auf einer Eselin“.

 

Jesu Bescheidenheit löst Begeisterung aus. Wie anders ist sein Verhalten als das der römischen Besatzung oder der Großen des Landes. Viele spüren, dass Jesus ein anderer König ist als die Herrscher, die sie sonst erleben. Sie rufen Jesus ihr „Hosanna“ zu. Es ist eigentlich ein Bittruf, denn es heißt wörtlich „Hilf doch!“ Im Mund der Jesus zujubelnden Menge bekommt es einen hoffnungsvollen Ton: „Hosanna dem Sohn Davids!“ Jesus bringt Hilfe! Jesus, der Nachkomme des großen Königs David, wird Frieden bringen. Er kommt von Gott gesandt. Er ist die Hilfe, die aus der Höhe kommt, von Gott selber: „Hosanna in der Höhe!“

 

Heute wird nach der Palmprozession in der Kirche die Leidensgeschichte Jesu gelesen oder gesungen. Wie geht das zusammen mit der freudigen Stimmung des Palmsonntags? Weil Jesus genau dafür nach Jerusalem gekommen ist. Er wusste, was auf ihn wartete, und er wollte es als das Ziel seines Auftrags, den Sinn seines Lebens. Die Menge, die ihn begeistert in die Stadt hinein begleitete, wusste es nicht. Sie wünschte sich einen starken Friedenskönig und sicher nicht einen verspotteten Gekreuzigten. Wir, die wir heute den Palmsonntag feiern, wissen, wie die Sache ausgegangen ist. Wir wissen, dass in wenigen Tagen auf das laute „Hosanna“ das noch lautere „Kreuzige ihn“ folgen wird. Aber wir wissen auch, dass am Ende dieser Woche der Ostermorgen stehen wird: Jesu Sieg über den Tod, seine Auferstehung!

 

Heute beginnt die große Woche, die mit Ostern endet. Wie sehr wünschen wir den schrecklich leidenden Menschen in Mossul, dass auch für sie der Leidensweg bald mit einem frohen Ostern endet!

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