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Der Weg und die Wohnung

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntg, 14. Mai 2017 (Joh 14,1-12)

12.05.2017
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntg, 14. Mai 2017 (Joh 14,1-12)
© bilderbox.com
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntg, 14. Mai 2017 (Joh 14,1-12)

Was nach dem Tod ist, wissen wir nicht. Wir haben nur Bilder, Ahnungen, Hoffnungen. Ich hatte einen lieben Onkel, der ein begeisterter Jäger war, und ein ebenso begeisterter Autorallye-Fahrer. Er hatte viel Humor, bis zum letzten Atemzug. Die Welt „da drüben“ stellte er sich ein wenig nach Indianerart vor, wenn er sich auf „die ewigen Jagdgründe“ freute. Immerhin habe ich von ihm nicht gehört, dass er sich vom Leben im Jenseits erwartete, dort seinen Lieblingssport, das Rallye-Fahren, weiter ausüben zu können.

 

Es tut gut, sich selber zu fragen: Wie stelle ich mir das ewige Leben vor? Was erwarte ich mir „drüben“? Und was erwartet mich, wenn ich einmal hier alles zurücklassen muss? Jesus bietet uns heute ein starkes Bild, das wohl bei vielen ein besonderes Gefühl auslöst. Er spricht vom „Haus meines Vaters“. Dieses Bild ist sogar in die Umgangssprache eingegangen, zumindest bei der älteren Generation, wenn vom „himmlischen Vaterhaus“ die Rede ist.

 

In unserer Zeit ist für viele das Bild vom Vaterhaus fremd geworden. Wir sprechen vom „Elternhaus“ und meinen damit nicht nur das Gebäude, in dem wir mit unseren Eltern gelebt haben, wo wir aufgewachsen sind. Das Elternhaus meint auch die Familie, in die wir hineingeboren wurden, mit ihrer Geschichte, ihren Dramen und Freuden. So liegt es nahe, sich das ewige Leben unter dem Bild des „Zuhause“ vorzustellen. Und von da ist es nicht mehr weit zu dem beliebten Wort von der „ewigen Heimat“.

 

Alle diese Bilder haben eines gemeinsam: Sie bezeichnen ein Ankommen. Sie vermitteln das Gefühl von Heimkommen. Endlich werden wir einmal aus der Unruhe des irdischen Lebens in eine „Bleibe“ kommen, in der wir wirklich zu Hause sein werden. Jesus gebraucht dafür ein weiteres Bildwort: „Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten.“ Seine Botschaft an uns lautet daher: Ihr sollt wissen: Ich habe für euch gesorgt. Es ist ein Platz für euch bereit. Ihr werdet dort, nach dem irdischen Tod, nicht in ein wildfremdes Land kommen. Ich selber werde für euch sorgen. Ihr werdet von mir willkommen geheißen. Alles ist für euch vorbereitet: „Ich werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“

 

Wir können uns ganz und gar nicht vorstellen, wie das Leben da drüben aussieht. Aber Jesus will uns eine Gewissheit geben: Ich selber werde für euch da sein. Bei mir werdet ihr geborgen sein.

 

Eine Frage bleibt freilich: Wie den Weg dorthin finden? Sicher ist nur, dass wir einmal sterben müssen. In einem Kirchenlied heißt es: „Gar manche Wege führen uns aus dieser Welt hinaus. O dass wir nicht verlieren den Weg zum Vaterhaus.“ Die Antwort Jesu ist wieder ganz einfach. Er geht uns voraus, um uns einen Platz zu bereiten. Also kennt er den Weg. Daher müssen wir nur mit ihm gehen, auf seinen Spuren. „Ich bin der Weg“, sagt er eindeutig. Den Weg zum Vaterhaus finden wir, wenn wir Jesus als unseren Weg gefunden haben.

 

Das klingt alles ganz klar und eindeutig. Im Alltag ist das oft recht kompliziert. Vieles verwirrt uns. Der Weg ist nicht leicht zu finden. Deshalb sagt Jesus, wieder ganz einfach: Glaubt an Gott, und glaubt an mich. Vertraut mir! Dann findet ihr sicher nach Hause!

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