Der letzte Tag des Jahres fällt heuer auf einen Sonntag. Die Kirche feiert den Sonntag nach Weihnachten als Fest der Heiligen Familie, Jesus, Maria und Joseph. Und mit der Heiligen Familie geht es auch um alle Familien. Was macht eigentlich die Familie aus? Warum ist sie, trotz aller Konflikte und Wunden, die haltbarste, wichtigste Einrichtung der Welt? Die Soziologen sagen, dass die Familie das „Überlebensnetzwerk“ ist. Gerade in Zeiten der Not zeigt sich, wie richtig diese Beobachtung ist.
Das Besondere an der Familie sind die Generationen. Wir haben alle Eltern. Und unsere Eltern hatten ihre Eltern, unsere Großeltern. Und so geht es zurück, bis sich die Spuren unserer Vorfahren im Unbekannten verlieren, in fernen Vorzeiten. Alle haben wir Eltern, aber nicht alle haben wir Kinder. Jesus selbst ist kinderlos geblieben. Aber nicht ohne Familie. Denn so wichtig und unersetzlich die Familie ist, es gibt auch die Wahlfamilie. Jesus hat eine neue Familie gegründet, die nicht an die Blutsbande gebunden ist. Diese Familie kennt keine Grenzen, ist offen für alle. Sie betrachtet alle Menschen als Geschwister. Es ist die große Familie Gottes, die Jesus zu sammeln und zu vereinen gekommen ist.
Der Traum von der einen, geeinten Menschheitsfamilie, ist keine Spinnerei. Auch wenn die Wirklichkeit oft so anders aussieht, die Hoffnung auf eine versöhnte Menschheit wird nicht sterben. Das heutige Evangelium ist dafür ein bewegendes Zeugnis. Joseph und Maria bringen Jesus vierzig Tage nach seiner Geburt nach damaligem jüdischem Brauch in den Tempel in Jerusalem. Zwei alte Menschen begegnen ihnen, Simeon und Hanna. Simeon nimmt das Kind in die Arme und sagt diese berührenden Worte: „Nun lässt du Herr, deinen Knecht … in Frieden scheiden.“ Simeon kann jetzt getröstet sterben. Er kann Abschied nehmen von dieser Welt, „denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast“.
Simeon sieht in diesem Kind armer Eltern die Erfüllung seiner Hoffnung. Er nennt ihn „ein Licht, das die Heiden erleuchtet“. Jesus wird allen Völkern das Licht der Erlösung bringen. Und seinem eigenen Volk Israel, dem jüdischen Volk, die Erfüllung seiner Erwartungen. Aber der alte Mann schaut auch, dass dieser Weg voller Schwierigkeiten und Schmerzen sein wird. Jesus wird ein Zeichen des Widerspruchs sein. Doch am Ende wird das Heil siegen. Jesus wird das alles gut machen.
Fest der Heiligen Familie. Fest der Familie. Eine Generation kommt, eine geht. Drei Generationen begegnen uns im heutigen Evangelium. Die beiden Alten, die Eltern, das Kind. Wie tröstlich ist das Bild des alten Simeon, der das neugeborene Kind in den Armen hält und dankbar Abschied nimmt, weil dieses Kind das neue Leben bedeutet.