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Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag,
4. Februar 2018 (Mk 1,29-39)

03.02.2018
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 4. Februar 2018 (Mk 1,29-39)
© kathbild.at/Rupprecht
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 4. Februar 2018 (Mk 1,29-39)

Papier war kostbar und kostspielig. Damals, als die Evangelien geschrieben wurden, musste man sich jedes Wort gut überlegen. Es gab noch keinen Buchdruck, erst recht keinen Computer. Alles wurde mit der Hand geschrieben, jedes Buch war eine Abschrift, ein Manuskript, und dementsprechend teuer. Eine ganze Bibel kostete ein Vermögen. Daher verwundert es nicht, dass in den Evangelien nur das Wichtigste aus dem Leben Jesu aufgeschrieben wurde. Mehr konnten sich die meist armen christlichen Gemeinden nicht leisten. Umso kostbarer ist alles, was im Evangelium in knappen Worten von Jesus berichtet wird.

 

Heute erfahren wir, fast nebenbei, dass Simon, den Jesus Petrus nannte, eine Schwiegermutter hatte, also auch eine Frau. Petrus war verheiratet, wie übrigens die meisten der zwölf Apostel. Paulus, der selber unverheiratet war, berichtet, dass Petrus und die anderen verheirateten Apostel auf ihren Missionsreisen von ihren Frauen begleitet wurden. Nach einer alten Überlieferung soll die Frau des Petrus ihn bis nach Rom begleitet haben und schon vor ihm das Martyrium erlitten haben. Wir wüssten gerne mehr über die Familiengeschichten der Apostel.

 

Das Evangelium ist nur am Wichtigsten interessiert, an Jesus selber. Ihn wollten  schon damals die Menschen sehen, hören, berühren. Er steht im Mittelpunkt des Berichts: „Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.“ Warum erst am Abend? Weil der Tag ein Sabbat war, und nach jüdischem Gesetz der Sabbat ganz arbeitsfrei bleiben muss. Mit dem Sonnenuntergang ist der Sabbat zu Ende, der Alltag kann wieder beginnen: „Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt.“ Alle drängen hin zu Jesus.

 

Bis heute ist es so geblieben: Es geht um Jesus! Die Apostel, die Kirche, die Umgebung Jesu, das ist alles wichtig, aber nicht die Hauptsache. Schon damals kamen die vielen Menschen nicht wegen Petrus und seinem Bruder Andreas und auch nicht wegen seiner Schwiegermutter, sondern wegen Jesus. Es tut nicht gut, wenn die Kirche im Mittelpunkt steht, und nicht Jesus. Das Evangelium will uns Jesus zeigen und zu ihm hinführen. Denn von ihm geht diese Kraft aus, die viele Menschen heilt und aus der Macht des Bösen befreit.

 

Wie sehr es um Jesus geht, zeigt auch das, was am nächsten Morgen geschieht: „In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand Jesus auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.“ Von Anfang an haben die Menschen erlebt und gespürt, dass Jesus selber eine verborgene, innere Kraftquelle hatte, aus der er schöpfte und die ihn für viele so anziehend machte. Diese Kraftquelle war das Gebet. So sehr Jesus bereit war, für die vielen Menschen da zu sein, die zu ihm kamen, so sehr suchte er immer auch das Alleinsein mit Gott, die Stille des Gebets.

 

So ist es nicht verwunderlich, dass bis heute Menschen beeindrucken, die wie Jesus aus dem Gebet ihre Kraft schöpfen. Sie strahlen Ruhe aus, haben Tiefe und innere Festigkeit. Im Alltag sind sie nicht hektisch, sie können sich den anderen widmen, ohne selber ihre Mitte zu verlieren. Genau dazu will das Evangelium ermutigen. Es zeigt Jesus, wie er war, wie er gewirkt hat, wie ihn die Menschen erlebt haben. Simon Petrus bringt es auf den Punkt. Als er und seine Begleiter an diesem frühen Morgen Jesus nacheilten und ihn beim einsamen Beten fanden, sagte er: „Alle suchen dich!“ Darum geht es bis heute.

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