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Vom Schrecken zum Glauben

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 15. April 2018 (Lk 24,35-48)

14.04.2018
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 15. April 2018 (Lk 24,35-48)
© kathbild.at/Rupprecht
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 15. April 2018 (Lk 24,35-48)

Warum seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in euren Herzen solche Zweifel aufkommen? Es überrascht, dass das Erscheinen Jesu nicht sofort große Freude auslöst. Als Jesus plötzlich in die Mitte seiner Jünger tritt, erschrecken sie und haben große Angst, denn sie meinen, einen Geist zu sehen.

 

Die erste Reaktion auf die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ist Schrecken, Angst und Zweifel. Ist das so verwunderlich? Wie würden wir reagieren, wenn plötzlich jemand mitten unter uns steht, an dessen Begräbnis wir vor drei Tagen teilgenommen haben? Wir würden uns die Augen reiben. Sehe ich recht? Bilde ich mir etwas ein? Steht da ein Gespenst? Wahrscheinlich wären wir total erschrocken. Auf jeden Fall: Freude wäre kaum die erste Reaktion. Angst und Entsetzen schon viel eher. Wir können also durchaus verstehen, wie es den Jüngern Jesu ging, als er plötzlich mitten unter ihnen stand. Dass Tote plötzlich wieder leben, dass sie unter den Lebenden erscheinen, das gehört nicht zu unseren alltäglichen Erfahrungen.

 

Nun könnte man einwenden: Jesus hat doch mehrmals angekündigt, dass er nicht nur Schlimmes erleiden werden, sondern dass er nach seinem Tod auferstehen werde. Ich kann gut verstehen, dass seine Jünger sich darunter nicht viel vorstellen konnten. Sie hatten zwar mehrmals erlebt, dass Jesus Tote wiedererweckt hat, zum Beispiel den Sohn einer Witwe in Naim oder das Töchterlein des Synagogenvorstehers Jairus. In beiden Fällen hat Jesus einen Toten, der da lag, bei der Hand gefasst, und das Leben kam wieder in den Leib des Verstorbenen.

 

Hier aber war etwas Anderes geschehen, etwas völlig Neues: Jesus ist plötzlich da. Die Türen waren verschlossen. Es ging keine Tür auf, sondern Jesus war einfach da, mitten unter ihnen. Wie er dann auch plötzlich wieder weg war. Behutsam führt sie Jesus hin zur Erkenntnis, dass er kein Geist, kein Gespenst ist: „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selber.“ Warum gerade die Hände und die Füße? Weil an ihnen die Spuren der Kreuzigung sichtbar sind!

 

Nicht ein Geist, die Seele eines Verstorbenen ist hier erschienen, sondern ein Mensch mit Fleisch und Knochen. Und damit sie es wirklich glauben können, isst er vor ihnen ein Stück Fisch. Da erst beginnen sie zu begreifen. Da erst kommt in ihnen Freude auf. Jetzt erst verstehen sie: Jesus ist wirklich auferstanden! Von jetzt an siegt die Gewissheit über alle anfänglichen Zweifel. Von nun an werden sie es überall bezeugen können, „allen Völkern, angefangen in Jerusalem“.

 

Ich finde es tröstlich, dass die Jünger Jesu eine Zeit brauchten, um glauben zu können, dass Jesus wirklich auferstanden ist und lebt. Sie konnten ihn wenigstens sehen, berühren, mit ihm sprechen. „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“, sagte Jesus zum zweifelnden Thomas.

 

Wenn die Statistiken stimmen (es empfiehlt sich Vorsicht!), dann glauben inzwischen viele Menschen in unserem Land, dass mit dem Tod alles vorbei sei. Und von denen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, meinen viele, dazu brauche es keine leibliche Auferstehung von den Toten, es genüge, wenn es nach dem Tod „irgendwie weitergeht“. Jesus ist aber leiblich vom Tod erstanden. Sein Grab ist leer. Er ist nicht ins irdische Leben zurückgekehrt. Er ist ins ewige Leben eingetreten. Dieses neue Leben ist auch uns verheißen, als ganze Menschen, mit Leib und Seele, auferstanden mit Jesus.

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