In sechs Monaten ist Weihnachten. Sechs Monate vor Jesus ist sein Verwandter Johannes geboren. Heute wird das Fest seiner Geburt gefeiert. Und da Johannes Jesus den Weg bereitet hat, wird sein Geburtstag so feierlich begangen, dass der heutige Sonntag ganz ihm gewidmet ist. Wer war Johannes, den wir den Täufer nennen, weil das Taufen ihn berühmt gemacht hat? Wir wissen nicht um alle Einzelheiten seines Lebens, aber doch so viel, dass wir von ihm ein lebendiges, anschauliches Bild gewinnen können, wenn wir alles zusammentragen, was in der Bibel über ihn steht und was auch andere Quellen von damals über ihn berichten.
Da sind zuerst seine Eltern. Beide nicht mehr jung. Die Mutter, Elisabeth, eine Verwandte von Maria, war kinderlos. Sie galt als unfruchtbar, ein großes Leid für das Ehepaar. Der Vater, Zacharias, war ein Priester aus dem priesterlichen Stamm des jüdischen Volkes, dem Stamm Levi. Anders als im Christentum war und ist das Priestertum im Judentum erblich und an die Herkunft aus dem priesterlichen Geschlecht gebunden.
Zacharias tut Dienst im Tempel in Jerusalem, als ihm ein Engel erscheint und ihm die Geburt eines Sohnes ankündigt. Er äußert Zweifel, ob das möglich ist. Und dieser Zweifel „verschlägt ihm die Sprache“. Er bleibt stumm, kann nicht mehr reden. Elisabeth wird schwanger. Neun Monate trägt sie das ersehnte Kind im Schoß. Neun Monate bleibt Zacharias schweigend. Beide haben sie Zeit, über Gottes erstaunliche Wege in ihrem Leben nachzudenken, während das unerwartete, aber so innig erbetene Kind in Elisabeth wächst.
Eine hat ganz besonders die Freude dieses Paares geteilt: Maria, die Verwandte der Elisabeth. Auch sie erwartete ein Kind, ein unerwartetes. Denn sie lebte noch nicht mit ihrem Verlobten, mit Joseph, zusammen. Auch ihr hat ein Engel ein Kind, einen Sohn angekündigt, den sie von Gott geschenkt bekommt und der Jesus heißen soll. Maria machte sich auf den weiten Weg zu Elisabeth und blieb drei Monate bis zur Geburt des Kindes bei ihr. Von dieser Geburt berichtet das heutige Evangelium, von der Freude, die das neugeborene Kind auslöst, von der Verwunderung über den Namen, den die Eltern ihm geben, von seinem Vater, der von seiner neun Monate dauernden Stummheit befreit wird.
„Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ Diese Frage stellten sich vor allem seine eigenen Eltern. „Denn es war deutlich, dass die Hand des Herrn mit ihm war.“ Nicht alle Kinder sind von Anfang an mit so starken Zeichen des Himmels umgeben wie Johannes und sein Verwandter Jesus. Aber bei jedem Kind, das zur Welt kommt, bewegt die Eltern, die Familie, die Bekannten die Frage: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Und bei jedem Menschenkind, das sein Leben auf Erden beginnt, ist eines sicher: Die Hand Gottes wird mit ihm sein! Nicht immer wird das so deutlich sichtbar sein wie bei Johannes oder gar bei Jesus. Aber jedes Kind ist und bleibt ein Kind Gottes. Und wie immer sein Leben aussehen wird, Gottes Hand wird es nicht fallen lassen. Daran zu erinnern, es vielen Menschen zu sagen und zu zeigen, wurde zum Lebensauftrag des Johannes. Er hat ihn treu erfüllt, bis zum Tod, und so Jesus den Weg bereitet.