In wenigen Worten sagt das heutige Evangelium viel über Jesus, wie er war, wie er dachte und fühlte. Ich liebe diesen kleinen Abschnitt aus seinem Leben und aus seinem Verhalten. Ich versuche, mir die geschilderten Ereignisse lebhaft vorzustellen und sozusagen mitzuerleben.
Jesus hatte seine Apostel erste Erfahrungen sammeln lassen, indem er sie zu zweit aussandte, das zu tun, was sie bei ihm beobachtet und gelernt hatten: zu den Menschen zu gehen, ihnen vom Reich Gottes, von der Botschaft Jesu zu erzählen. Sie sollten kein Geld, keinen Proviant mit auf den Weg nehmen und sich ganz auf Gottes Vorsehung verlassen.
Wir wissen nicht, wie lange diese erste „Missionserfahrung“ der Apostel gedauert hat. Auf jeden Fall hatten sie Jesus viel zu berichten, als sie sich wieder bei ihm versammelten. In unserer schnelllebigen Zeit tun wir das viel zu selten: einander erzählen, was wir erlebt haben, austauschen über unsere Erfahrungen. Wir trauen uns viel zu wenig, mit anderen über unseren Glauben zu sprechen. Für die Apostel muss diese erste Mission einen tiefen, starken Eindruck hinterlassen haben. Es drängte sie, Jesus „alles zu berichten, was sie getan und gelehrt hatten“. Solcher Erfahrungsaustausch tut uns gut!
Jetzt aber ist es an der Zeit, ein wenig Erholung zu suchen. Ich höre in den Worten Jesu eine Einladung, nicht auf Ruhezeiten zu vergessen: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Sie hatten so viel Wirbel, es war so viel los, dass sie „nicht einmal Zeit zum Essen fanden“. Jeder Mensch braucht Pausen. Keiner kann ständig in vollem Einsatz sein. Jesus zeigt hier seine Menschlichkeit. Er weiß, was uns guttut und trägt dafür Sorge.
Für mich ist diese Einladung Jesu auch eine Hilfe und eine Mahnung, die Urlaubszeit nicht mit neuer Hektik zu füllen, sondern wirklich Ruhe zu suchen. „Mit Jesus auf Erholung gehen“, so verstehe ich diese Stelle im Evangelium. Zu wirklich erfrischenden Ferien gehört daher für mich immer auch Zeit für Stille, Sammlung, Gebet. Unter dem Jahr, in den vielen Aktivitäten des Alltags, kommt das oft zu kurz, fehlt dafür die Ruhe.
Doch es kam ganz anders. Die Jünger fuhren mit Jesus über den See zum ersehnten einsamen Ort. Die Leute hatten das bemerkt, sie liefen am Ufer entlang ihnen nach und kamen noch vor ihnen an. Ich versuche mir die Gesichter der Apostel vorzustellen, als sie die vielen Menschen am Ufer sahen, die schon auf Jesus warteten: wieder keine Ruhe! Wieder Scharen von Menschen, die alle etwas wollen!
Solche „Urlaubserfahrungen“ gibt es immer wieder. Sie durchkreuzen alle Pläne. Statt den erholsamen Ferien gibt es neue Sorgen: eine Krankheit, ein Unfall, unvorhergesehene Schwierigkeiten können die Hoffnung auf Erholung zunichtemachen. Die Enttäuschung ist groß.
Umso eindrucksvoller ist die Haltung Jesu in dieser Situation. Er klagt nicht darüber, dass die Leute ihn und seine Jünger nicht in Ruhe lassen. Keine Spur von Verärgerung, dass es nichts geworden ist mit der so notwendigen und wohlverdienten Erholung. Für Jesus sind die vielen Menschen kein Störfaktor. Er schaut nicht auf sich und seinen „Urlaub“, er sieht die Menschen, ihre Not, ihre Sehnsucht. Sein Mitleid mit ihnen ist stärker als sein Wunsch nach Ruhe. Er nimmt sich Zeit für sie. Er gibt ihnen, was sie mehr brauchen als Brot: sei Wort, seine Ermutigung. Er gibt ihnen Orientierung für ihr Leben. Die Freude, für die Menschen da zu sein, ist für ihn eine Kraftquelle. So ruht er sich aus!