Das geht sich hinten und vorn nicht aus! So sagen wir in Situationen, die ausweglos erscheinen. Ratlos und hilflos stehen wir vor unlösbar scheinenden Problemen. Wir fühlen uns überfordert, suchen nach Lösungen – und finden keine. Nur ein Wunder kann noch helfen. Aber darf man auf Wunder hoffen?
Alle vier Evangelien berichten vom Wunder Jesu, das aus einer menschlich unlösbaren Lage herausgeholfen hat. Über fünftausend Menschen bekamen reichlich Brot zu essen, obwohl weder ausreichend Vorräte noch genügend Geld vorhanden waren. Aber konnte wirklich nur ein Wunder aus dieser Notsituation heraushelfen? Hätte es nicht auch einfachere Lösungen gegeben?
Manchmal glauben wir, wir müssten auf ein Wunder warten, statt selber das Problem anzugehen. Von einem Lösungsvorschlag berichten die anderen Evangelisten. Die Apostel raten Jesus, die vielen Menschen einfach heimzuschicken, damit sie sich selber um ihre Verpflegung kümmern. Jesus lehnt das ab, denn die Gegend sei zu abgelegen, er will die Leute nicht hungrig auf den Heimweg schicken.
Eine andere Lösung vertreten manche „moderne“ Prediger. Sie meinen, Jesus habe zu den vielen Menschen so herzbewegend von der Nächstenliebe und vom Teilen gesprochen, dass alle ihren Proviant geteilt hätten, und siehe da, es reichte reichlich für alle. Das Wunder wäre also einfach die gelebte Nächstenliebe gewesen. Es stimmt sicher, dass wir mehr teilen sollten und dass es weniger Hunger in der Welt gäbe, wenn wir weniger nur auf uns selber schauen würden.
Aber diese „moderne“ Deutung des Wunders Jesu geht an der Tatsache vorbei, dass die vielen Menschen, die damals Jesus folgten, keine reichlich gefüllten Provianttaschen hatten. Ich habe selber einmal in Afrika eine Situation erlebt, die mich an die Geschichte aus dem heutigen Evangelium erinnert hat. Über tausend Jugendliche waren bei einem kirchlichen Jugendtreffen. Als die Zeit zum Essen kam, sah ich, sehr betroffen, dass die meisten kaum etwas dabei hatten. Ich hätte mir für sie ein Wunder der Brotvermehrung gewünscht. Aber es ging den Organisatoren wie den Jüngern Jesu damals: Sie hatten weder genug Brot noch das nötige Geld, um diese vielen Jugendlichen satt zu machen.
Was tut Jesus? Er nimmt das Wenige, was da ist, fünf Gerstenbrote und zwei Fische, und spricht darüber das Dankgebet. Und während er das Brot und die Fische austeilt, vollzieht sich das Wunder: Es reicht für alle. Alle werden satt und viel bleibt übrig.
Was aber bedeutet das Wunder Jesu für unseren Alltag?
Für mich sind es drei Dinge, die ich daraus lerne: Zuerst mein tägliches Staunen darüber, dass wir zu essen haben. Wenn ich unsere übervollen Brotläden sehe, kann ich nur Gott danken, dass es das tägliche Brot gibt. Zweitens erinnert mich das Dankgebet, das Jesus sprach, an unser Tischgebet. Alles was wir haben, ist Gabe des Schöpfers. Wie können wir nur vergessen, Gott dafür zu danken! Möge uns nicht eines Tages der Hunger lehren, dass das tägliche Brot keine Selbstverständlichkeit ist. Und drittens zeigt der kleine Junge, der die fünf Brote und die zwei Fische hatte, dass das Teilen der Anfang von einem Wunder sein kann, wenn wir es nur wagen, von Herzen das zu geben, was wir haben.