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Petrus und der Papst

Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 16. September 2018 (Mk 8,27-35)

15.09.2018
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 16. September 2018 (Mk 8,27-35)
© kathbild.at/Rupprecht
Gedanken von Kardinal Christoph Schönborn zum Evangelium am Sonntag, 16. September 2018 (Mk 8,27-35)

Eigentlich heißt er Simon. Er ist von Beruf Fischer, zusammen mit seinem Bruder Andreas. Jesus hat beide eingeladen, mit ihm zu kommen, um „Menschenfischer“ zu werden. Jesus hat ihm dafür einen zusätzlichen Namen gegeben: „Kephas“, was auf Griechisch mit „Petros“ übersetzt wurde. Es bedeutet: „der Fels“. So hat ihn Jesus angesprochen: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Petrus ist im Jahr 67 unter Kaiser Nero in Rom gekreuzigt worden. Über seinem Grab wurde der Petersdom errichtet. Der Papst gilt als sein Nachfolger.

 

Von diesem Petrus ist im heutigen Evangelium die Rede. Und was berichtet wird, ist nicht nur rühmlich. Selten hat Jesus einen seiner Anhänger mit so scharfen Worten zurechtgewiesen. Er nennt ihn „Satan“ und wirft ihm vor, nicht Gottes Willen im Sinn zu haben, sondern allzu menschliche Wünsche. Und trotzdem hat er diesem Petrus die Leitung seiner Gemeinschaft anvertraut. In allen Listen der zwölf von Jesus eingesetzten Apostel steht er an erster Stelle. Ausdrücklich hat Jesus ihm den Auftrag gegeben: „Weide meine Schafe“, das heißt: Sei du der verantwortliche Hirte meiner Herde!

 

Wer war dieser Simon, genannt Petrus? Was wissen wir von seinem Charakter, seinen Stärken, aber auch seinen Schwächen? Ich gestehe, dass ich für ihn große Sympathie habe. Er ist zweifellos ein mutiger Mann, fast ein Draufgänger. Ohne Zögern lässt er sich auf den Ruf Jesu ein, verlässt alles und geht mit ihm. Aus voller Überzeugung will er auch das Schicksal Jesu teilen. Er ist sogar bereit, mit Jesus zu sterben, als es ernst wird. Aber im entscheidenden Moment wird er schwach, bekommt Angst, gerät in Panik und bestreitet, irgendetwas mit Jesus zu tun zu haben. Petrus – der Fels? Als eine Magd ihm sagt: Du bist doch auch einer von den Anhängern dieses Jesus! - da beschwört er: ich kenne diesen Menschen nicht! Petrus verleugnet seine  geliebten Meister. Menschenfurcht hat ihn gepackt. 

 

Und trotzdem hat Jesus ihn nicht abgesetzt. Petrus hat bitter über sein Versagen geweint. Er hat Jesus gesagt, wie sehr er ihn lieb hat, und Jesus hat ihm verziehen. Er hat ihn in seinem Auftrag bestätigt, der oberste Hirte der Kirche zu sein.

 

Der Papst ist der Nachfolger des Apostels Petrus. Papst Franziskus ist sein 266. Nachfolger. Die Zeiten haben sich enorm verändert. Gilt immer noch, was Jesus damals, „in den Dörfern bei Cäsarea Philippi“, dem Petrus verheißen hat? Der Evangelist Matthäus überliefert ein Wort Jesu an Petrus, das Geschichte gemacht hat: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreiches geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein.“ Gilt das immer noch, auch für den Papst? Und was heißt das praktisch? Ich sehe darin eine doppelte Botschaft. Einerseits hat der Papst eine einmalige Aufgabe, die er von Christus anvertraut bekommen hat. Andererseits ist er, genauso wie Petrus, ein „ganz normaler“ Mensch, mit seinen Stärken und Schwächen, seiner Größe und seinem Versagen. Papst Franziskus hat in den fünf Jahren seines Amtes weltweit die Herzen vieler Menschen berührt. Seine Einfachheit, seine Liebe zu den Armen, seine direkte Sprache beeindrucken viele, die sonst mit der Kirche wenig anfangen können. Inzwischen regt sich aber auch Kritik, vor allem aus den eigenen Reihen, bis hin zu Rücktrittsforderungen.

 

Papst Franziskus bittet immer wieder: Betet für mich! Das tue ich gerne. Denn ich danke Gott jeden Tag, dass er uns diesen so glaubwürdigen Menschen als obersten Hirten geschenkt hat.

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