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Jesus, denk an mich!

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Karfreitag, 19. April 2019.

19.04.2019
© shutterstock.com

In der Leidensgeschichte des Evangelisten Lukas gibt es einige Einzelheiten, die nur er festgehalten hat. Sie sagen viel über Jesus und seine Wirkung auf die Menschen. Drei davon darf ich zum Nachdenken und Betrachten für den Karfreitag empfehlen.

 

Zuerst das überraschende Gebet Jesu, während man ihn ans Kreuz nagelt. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Für wen bittet Jesus da um Vergebung? Für die römischen Soldaten? Sie tun einfach ihre Pflicht, vielleicht ohne viel Nachdenken oder Mitgefühl. Aber diese einfachen Soldaten waren ja nicht schuld an der ungerechten Verurteilung Jesu. Hat Jesus auch für die gebetet, die mit Nachdruck von Pontius Pilatus den Tod Jesu gefordert haben? Aber die wussten doch, was sie tun! Einige stehen jetzt da und spotten. Oder hat Jesus gar für alle Menschen gebetet, die Schlimmes, Unrechtes tun? Also auch für mich, der ich sicher nicht ohne Sünde bin? Weiß ich wirklich, was ich tue, wenn ich jemanden verletze und verleumde? Jesu Gebet für uns alle? „…den sie wissen nicht, was sie tun.“

 

Die zweite kostbare Besonderheit, die Lukas berichtet, ist die Geschichte der beiden mitgekreuzigten Verbrecher. Der eine spottet bitterböse über Jesus. Der andere weist ihn zurecht. Er erinnert ihn, dass sie beide schweres Unrecht getan haben, Jesus aber leide unschuldig. Und dann die berührende Bitte: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Jesu unvergessliche Antwort: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Das heißt doch im Klartext: Der erste, der mit Jesus in den Himmel kam, war ein Verbrecher, der seine Taten bereut und auf Jesus vertraut hat. Nach der Überlieferung hieß er Dismas. Sein einfaches Gebet kann in jeder Not helfen: „Jesus, denk an mich!“

 

Schließlich die dritte Kostbarkeit der Passion nach Lukas. Jesu letztes Wort am Kreuz: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ Ein Wort völligen Vertrauens in großer Not. Ein Gebet, das unseren Alltag erträglich, unsere Dunkelheit hell machen kann, nicht erst in unserer Todesstunde.

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