Am 8. Dezember stehen zwei Frauen im Mittelpunkt: Eva und Maria. Und mit ihnen die besondere Bedeutung der Frau: zuerst als sie selber, als Geschöpf Gottes, als von Gott gewollte, unverwechselbare, als Mensch wie der Mann, von gleicher Würde wie er, ein echtes Gegenüber, nicht Untertanin des Mannes, sondern Partnerin. Dann aber auch als Mutter, ohne die kein Mensch zur Welt kommen kann, als Hüterin des Lebens.
Heute feiert die Kirche das Fest der Empfängnis Marias durch ihre Eltern Joachim und Anna, neun Monate vor dem Fest ihrer Geburt am 8. September. Maria sei, so bekennt die Kirche, „ohne Erbsünde empfangen“ worden. Ja, Maria sei der einzige Mensch, der ohne die Belastung der Erbsünde geboren wurde. Ich weiß, die Lehre von der Erbsünde ist schwer verständlich. Aber ohne diese Lehre ist der Mensch noch viel unverständlicher. Denn die Erbsünde „erklärt“, warum es unter uns Menschen so viele Schwierigkeiten und Konflikte gibt, warum Mann und Frau sich oft so furchtbar schwertun, gut miteinander auszukommen, obwohl sie doch voneinander angezogen sind, obwohl die Liebe zwischen Mann und Frau zum Schönsten gehört, was es auf Erden geben kann.
Deshalb wird am Fest Maria Empfängnis immer das dritte Kapitel aus dem Buch Genesis gelesen, die Geschichte vom Sündenfall. Um sie zu verstehen, müssen wir ganz an den Anfang der Bibel gehen, zu den beiden ersten Kapiteln des Buches Genesis. Da wird von der Erschaffung des Menschen berichtet, wie Gott den Menschen als Mann und Frau nach seinem Bild geschaffen hat. Da sagt Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist.“ Zuerst „probiert“ Gott, ob die Tiere dem Menschen aus seiner Einsamkeit heraushelfen können, aber keines kann ihm wirklich Partner sein. Schließlich bildet Gott aus einer Rippe Adams die Frau und führte sie ihm zu, und nur in ihr findet Adam seine echte Ergänzung: „Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und hängt seiner Frau an und sie werden ein Fleisch.“
So sollte es sein, so war Gottes Plan, und danach sehnen sich beide, Mann und Frau. Warum ist es dann oft so anders? Etwas ist durcheinandergeraten. Etwas stimmt nicht mehr zwischen Mann und Frau. Die Bibel gibt dafür eine sehr nüchterne Erklärung. Als beide, Mann und Frau, von der verbotenen Frucht gegessen haben, verstecken sie sich vor Gott. „Wo bist du?“, ruft Gott den Adam, der sich schämt, nackt zu sein. „Hast du von dem Baum gegessen?“ Statt zuzugeben, dass er das Verbotene getan hat, geht Adam zum Angriff über: „Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben.“
Hier ist die Wurzel allen Übels zwischen Mann und Frau: Immer ist der andere, die andere schuld! Und vor allem Gott selber! Du hast mir die Frau gegeben! Du bist an allem schuld! Seit eh und je ist das das Muster unserer Konflikte. Wenn wir nur bereit wären, zuerst unsere eigenen Fehler zu sehen! Erbsünde, das ist die unausrottbare Neigung in unseren Herzen, die Schuld auf den anderen zu schieben, statt für ihn dankbar zu sein. Wie gesegnet und glücklich könnte das Miteinander von Mann und Frau sein!
Maria wurde ohne Erbsünde empfangen. Gott hat sie frei von Selbstbezogenheit geschaffen. Sie ist ganz offen für Gott und für die Menschen. Heute dankt die Kirche für diese Frau, die Gott uns gegeben hat. In ihrem weiten Herzen ist Platz für alle. Darum wird sie so geliebt!