Keiner entkommt dem Tod, keiner den Vorboten des Todes, der Krankheit. Wenn es alle trifft, ist es nichts Besonderes. Und doch ist es immer wieder etwas Einmaliges, denn es betrifft stets einen bestimmten Menschen mit einer eigenen, unverwechselbaren Geschichte, einem eigenen Kreis von Menschen, die Familie, die Freunde. Deshalb sind Krankheit und Tod nie einfach nur ein unvermeidliches Naturereignis wie die Jahreszeiten, das Wachsen und Sterben von allem, was lebt.
Krank geworden ist ein Freund Jesu, Lazarus. Jesus erfährt davon durch dessen beide Schwestern, Marta und Maria. Alle drei sind enge Freunde Jesu. Sie gehörten nicht zu denen, die mit Jesus unterwegs waren, sein Wanderleben teilten. Sie waren für ihn ein ruhender Pol. Sooft Jesus nach Jerusalem kam, stieg er bei ihnen in ihrem Haus in Bethanien ab, und offensichtlich fühlte er sich bei ihnen wohl, wie man das nur bei sehr vertrauten Freunden erlebt.
Als Jesus von der Krankheit seines Freundes hört, bricht er nicht gleich auf, um ihn zu besuchen. Er lässt sich Zeit und die kostbare Zeit verstreicht. Als er schließlich nach Bethanien kommt, ist Lazarus tot. Marta empfängt ihn mit einem leisen Vorwurf: Warum bist du nicht schneller gekommen?
Damit sind wir bei der Frage, die tausende Male gestellt wurde: Warum musste er, musste sie sterben? Krankheiten sind doch heilbar. Warum enden sie immer wieder mit dem Tod? "Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben." Uns begegnet die Frage immer neu: Wenn Gott da ist, warum lässt er den Tod zu? Marta glaubt, wie viele Menschen heute, dass der geliebte Verstorbene auferstehen wird. Sie glaubt an das ewige Leben. Aber warum musste er jetzt schon sterben? Lazarus war ja noch kein alter Mann. Er war, wie man so sagt, in den besten Jahren.
Jesus selber findet sich nicht einfach ab mit dem Tod seines Freundes. Er will zum Grab. Seine Tränen sind für die anderen ein Zeichen, "wie lieb er ihn hatte". Aber damit nicht genug: „Nehmt den Stein von der Grabhöhle weg!“ Dann sein lauter Ruf: "Lazarus, komm heraus!" Und der seit vier Tagen Tote kommt heraus.
Was hilft uns dieses Wunder, wenn unsere geliebten Toten dennoch im Grab bleiben? Damals kamen viele zum Glauben an Jesus. Das geschieht auch heute. Der Glaube an Jesus macht lebendig! Denn er ist "die Auferstehung und das Leben". Er befreit von den Binden, die oft uns Lebende fesseln, wie sie den toten Lazarus umwickelt hatten. Diese Befreiung kann schon mitten im Leben geschehen, wie eine Art Totenerweckung!