Wir haben jetzt, in diesen Tagen des Osterfestes, viel von der Auferstehung Jesu gehört, geredet. Unter den orthodoxen Christen ist es üblich, sich in der Osterzeit nicht mit „Guten Tag“ oder „Grüß Gott“ zu begrüßen, sondern mit „Christus ist auferstanden!“, worauf der Begrüßte antwortet: „Er ist wahrhaft auferstanden!“
Ist er es wirklich? Wer garantiert das? Gibt es dafür Beweise? Genau in diesen Fragen kommt uns Thomas zu Hilfe, der Apostel, der heute im Evangelium diese kritischen Fragen stellt. Er will wissen, nicht nur glauben. Er möchte handfeste Beweise, nicht schwärmerische Behauptungen. Er ist bereit zu glauben, aber er will keinen blinden Glauben. Er will das, was er glaubt, auch spüren, berühren. Er will erfahren, dass es wirklich so ist. Es ist üblich geworden, diesen Apostel als den „ungläubigen Thomas“ zu bezeichnen. Aber ist es nicht ganz berechtigt, dass er für seinen Glauben auch eine vernünftige Grundlage haben möchte? Ist es im Glauben nicht ganz ähnlich wie in der Liebe? Wer liebt, schenkt Vertrauen. Aber dieses Vertrauen braucht auch sichere Zeichen, dass es zu Recht geschenkt wird. Es ist nicht ein Mangel an Liebe, wenn Liebende darauf warten, dass die Liebe dem anderen auch spürbar gezeigt wird.
Als Jesus acht Tage nach Ostern wieder den Jüngern erscheint, spricht er gleich Thomas an. Er erlaubt ihm, mit seinen Fingern die noch sichtbaren Wundmale seiner Hände zu berühren. Mehr noch: „Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite“, in die nicht mehr blutende Seitenwunde, die vom Lanzenstich des römischen Soldaten offengeblieben ist. Thomas durfte den Auferstandenen berühren, und diese Berührung weckt in ihm das große Glaubensbekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“
Thomas hat Glück gehabt. Wie steht es mit uns, den Spätgeborenen, die Jesus nicht berühren können? „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, sagt Jesus an unsere Adresse. Also doch blinder Glaube? Keine Beweise? Kein sicherer Halt, um nicht ins Leere hinein zu glauben? Als der alte Apostel Johannes sein Evangelium niederschrieb, dachte er an all die späteren Generationen, die nicht mehr Augenzeugen Jesu sind. Für sie, also für uns, hat Johannes einige Zeichen aufgeschrieben, die deutlich machen, „dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes“. Sie sollen uns helfen, das zu glauben, „damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen“.
Thomas hat also nicht Unrecht, klare Zeichen zu fordern, um glauben zu können. Genügen uns die „Beweise“, die vor 2000 Jahren geschehen sind und die sehr glaubwürdig in den Evangelien berichtet werden? Der Evangelist Johannes gibt einen wichtigen Hinweis: Jesus habe noch viele andere Zeichen gewirkt, die man gar nicht alle im einem Buch aufschreiben könnte. Ich verstehe das so: Jesus wirkt bis heute viele Zeichen, die zeigen, dass er lebt und bei uns ist. Gewiss, beweisen wird man das nicht können. Aber an ihn und seine Auferstehung zu glauben, das hat wirklich Hand und Fuß.