Auch Jesus kannte Enttäuschungen. Sie haben ihm wehgetan. Er konnte und wollte nicht verbergen, dass sie ihn geschmerzt, ja sogar zornig gemacht haben. Trotzdem ist er darüber nicht bitter geworden.
Wie hat er das gemacht? Was können wir von Jesus lernen, wenn wir Enttäuschungen erleben? Denn sie bleiben niemandem erspart. Sie gehören zum Leben. Die große Gefahr ist, dass sie zur Verbitterung führen können, die dann unser ganzes Leben vergiftet, uns die Freude am Leben nimmt und uns zu zwideren, unleidlichen Menschen macht.
Jesus war am Anfang seines öffentlichen Wirkens sehr erfolgreich. Die Menschen kommen zu ihm, in immer größeren Scharen. Sie wollen ihn sehen, hören, sind von ihm berührt, sind begeistert. Viele Kranke werden geheilt, was seinen Ruf noch verstärkt. Doch wie es unter uns Menschen ist, regen sich auch Neid und Ablehnung. Bald stellt sich die Frage: Ist sein Erfolg nachhaltig oder war er nur ein Strohfeuer? Jesus erlebt, menschlich gesprochen, erste Enttäuschungen, und er spricht auch offen aus, wie sehr ihn das trifft. Er wirft den Orten, wo er viel Gutes gewirkt hat, ihren Unglauben vor. Sie haben sein Wirken und seine Wunder erlebt, aber sie haben ihn nicht angenommen. Es muss ihm sehr wehgetan haben.
Warum ist Jesus trotzdem nicht bitter geworden?
Im heutigen Evangelium hören wir einen Jesus, der voll Freude ist. Wie ist er mit dem Schmerz der Enttäuschung fertig geworden? Ist glaube, das gelingt ihm, weil er einen hat, der ihn nie enttäuschen wird. Bei ihm weiß er sich geborgen und verstanden. Er nennt ihn schlicht Vater. Bei seinem Gott findet er Frieden, auch wenn er bei den Menschen auf Ablehnung stößt.
Die Erfahrung zeigt, dass in Lebenskrisen gute, solide Freundschaften eine riesige Hilfe sind. Da kann man sich aussprechen, notfalls auch ausweinen. Da weiß man sich angenommen. Echte Freunde sind ein starkes Medikament gegen die Verbitterung. Letzten Halt gibt eine starke Beziehung, ein tiefes Vertrauen zu Gott. Beides ist im Leben Jesu spürbar: Bis zum Tod am Kreuz hat Jesus immer Menschen gehabt, die zu ihm standen, ihn liebten. Er, der Sohn Gottes, hat Trost und Hilfe erhalten durch die Nähe solcher Menschen und durch seine Vertrautheit mit Gott.
Wer waren die, die Jesus verstanden, annahmen, liebten? Für sie dankt Jesus Gott, seinem Vater: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und des den Unmündigen offenbart hast.“ Wer sind die „Unmündigen“? Lehnt Jesus die „G‘studierten“ ab? Fühlt er sich von den Einfältigen angenommen? Muss man, um Anhänger Jesu zu werden, den kritischen Verstand aufgeben und ein „schlichtes Gemüt“ haben, das alles ohne Fragen schluckt?
Jesus ist sicher nicht gegen ein gutes, solides Wissen. Das brauchte er selber für die langen Jahre seiner Berufstätigkeit. Jesus hatte eine gute Bildung. Sie wurde und wird bis heute im Judentum hochgehalten. Aber gegen Eingebildete konnte er scharfe Worte finden, gegen Menschen, die sich für besser halten und andere verachten, nur weil sie ein „Dr.“ vor ihren Namen setzen können.
Die „Unmündigen“ sind für Jesus die einfachen, geraden Menschen, egal, ob sie einen Titel haben oder nicht. Über diese Menschen hat sich Jesus immer gefreut. Für sie dankt er Gott. Er hat sie in allen sozialen Schichten gefunden, besonders freilich bei den Armen, den „Mühseligen und Beladenen“. Wenn auch wir für sie ein Auge und ein offenes Herz haben, dann werden wir im Leben nicht bitter werden, auch wenn wir Enttäuschungen erleben.