Eigentlich müsste man mutlos werden. Was Jesus heute über den Sämann und die Aussaat des Getreides erzählt, ist alles eher als eine Erfolgsgeschichte. Fast alles scheint schiefzugehen. Ein Großteil des Saatguts verkommt. War es der Fehler des Bauern, der nicht genug aufgepasst hat, wohin er die Getreidekörner aussät? Lag es an der Bodenqualität, dass die Saat kaum aufgehen konnte? Oder lag es am Wetter?
Wenn ich heuer manche Getreidefelder ansehe, kommt mir das heutige Gleichnis Jesu in den Sinn: ein milder, niederschlagarmer Winter, ein viel zu warmer März, ein fast völlig regenloser, heißer April: Was Wunder, dass die Wintersaat einfach nicht gedeihen konnte. Gott sei Dank haben Mai und Juni den Ausgleich gebracht. Es hat geregnet und wir dürfen hoffen, dass die Ernte doch noch halbwegs gut wird. Im Gleichnis Jesu geht es schlussendlich auch gut aus, sogar sehr gut, denn das Saatgut, das auf fruchtbaren Boden fiel, hat eine Rekordernte erbracht. Ende gut, alles gut, könnten wir sagen. Möge es auch heuer bei unseren Landwirten so sein. Denn das tägliche Brot kommt nicht zuerst vom Bäcker, sondern vom Ertrag des Ackers.
Doch warum erzählt Jesus der großen Menschenmenge dieses Gleichnis? Warum spricht er überhaupt so oft in Form von Gleichnissen? Offenbar hörten ihm die Menschen gerne zu. Haben sie auch verstanden, was er damit sagen wollte? Verstehen wir es? Jesus erzählt ja nicht einfach spannende Geschichten, wie man sie gerne hört. Er verhüllt seine Botschaft in Gleichnisse. Der Kern seiner Botschaft ist „das Reich Gottes“. Deshalb sagt er oft: „Mit dem Reich Gottes ist es wie…“, und dann folgt ein Gleichnis.
Manchmal gibt Jesus selber die Auflösung des Rätsels, indem er den Sinn des Gleichnisses erklärt. So auch beim heutigen Gleichnis: Jesus selber ist der Sämann. Der Samen ist sein Wort. Wie wird es aufgenommen? Wie nehme ich es auf? Denn das ist allen Gleichnissen Jesu gemeinsam: Sie richten sich immer an mich persönlich. Sie halten mir den Spiegel vor.
Auf den Weg gefallen ist der Same des Wortes Jesu bei denen, die es gar nicht aufnehmen. Es gelangt nicht in die Erde, kann nicht ins Herz eindringen. Der Böse kommt und nimmt alles weg. Auf felsigen Boden mit wenig Erde fällt Jesu Wort bei denen, die schnell begeistert sind, aber keine Wurzeln haben, sodass das Wort Gottes nicht nachhaltig das Leben verändert. Unter die Dornen fällt das Wort Jesu bei dem, der das Wort zwar hört, aber dann ersticken es die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum. Das alles sieht nicht nach einer Erfolgsgeschichte aus. Hat Jesus also selber damit gerechnet, dass er sich im Grunde vergeblich bemüht hat? Sind wir Menschen so verhärtet, dass seine Botschaft einfach nicht „durchkommt“? Der Schluss des Gleichnisses ändert alles: Es gibt auch guten Boden, und dort bringt das Wort Jesu ein Übermaß an Frucht, bis zu hundertfach!
Wie kann ich dieses Gleichnis auf mich persönlich anwenden? Soll ich prüfen, welche Art von Boden ich bin, hart, steinig, dornig oder doch gute Erde? Ich glaube, ich bin etwas von allem: Manchmal findet Gott kaum Platz in meinem Leben. Aber das Leben ist ein Weg und Jesus als Sämann ist geduldig. Trotz aller Widerstände wird er Erfolg haben, sogar bei mir armen Sünder!