Das Evangelium vom heutigen ersten Adventsonntag passt haargenau zur Situation, die wir derzeit erleben und erleiden. Der Türhüter im kleinen Gleichnis Jesu muss wachsam sein und warten. Unser ganzes Land, ja die ganze Welt muss wachsam sein und wartet: Wann wird es ein Heilmittel gegen Corona geben?
Wir warten, dass die Zahl der Ansteckungen, der Intensivpatienten zurückgeht, dass der zweite Lockdown wirklich bald zu Ende geht und dass uns nicht noch ein dritter bevorsteht. Wir warten und wir hoffen. Wir hoffen, nicht angesteckt zu werden. Vor allem hoffen wir, dass dieser Albtraum bald endgültig vorbei ist.
Inzwischen müssen wir wachsam sein. Es hilft nichts: Wir müssen Abstand wahren, Mund-Nasen-Schutz tragen, oft Hände waschen, größere Ansammlungen meiden, selbst im Kreis der Familie und der Freunde. Wir müssen warten, aber nicht irgendwie, sondern aktiv, wachsam, und möglichst alle gemeinsam, damit dem Virus die Chance der Verbreitung genommen wird. Die Geschichte lehrt uns, dass jede Epidemie einmal vorbeigeht. So war es schon mit der Pest, die jahrhundertelang der große Schrecken war. So war es auch immer mit dem Übel des Krieges. Jeder war einmal zu Ende, selbst wenn er dreißig Jahre gedauert hat.
Doch vorerst ist die Corona-Krise nicht zu Ende. Niemand kann sichere Vorhersagen machen. Aber alle hoffen wir, dass alles wieder gut wird. Diese Hoffnung sitzt tief im Menschenherzen. Sie gibt die Kraft, auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben, sondern weiterzumachen.
Das Warten und Hoffen ist das große, zentrale Thema des Advents. Heuer wird er freilich sehr anders aussehen als gewohnt. Es wird wohl kaum die Adventmärkte geben, keine Punschstände, und auch das beliebte Adventsingen wird wahrscheinlich nicht stattfinden können. Alles bleibt von Corona überschattet. Und wie werden wir Weihnachten feiern?
Mir hilft, bei aller Sorge, ein kleines Wort im heutigen Evangelium. Im Gleichnis von dem Mann, der sein Haus verlässt, um auf Reisen zu gehen, heißt es: „Er übertrug die Vollmacht seinen Knechten, jedem eine bestimmte Aufgabe.“ Ist dieser so andere Advent vielleicht auch eine Einladung, ihn als das zu erleben, was er eigentlich sein sollte: eine besinnliche Zeit des Jahres? Corona hat für viele von uns zu einer „Entschleunigung“ des Lebens geführt. Krisen belasten das Leben, fordern aber auch zur Neuorientierung heraus. Die großen Fragen stellen sich neu: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was ist der Sinn meines Lebens? Welche Aufgabe hat Gott mir anvertraut?
Advent heißt Ankunft. Es ist die Zeit auf Weihnachten hin. Wird heuer das Weihnachtsfest seine Botschaft deutlicher hörbar machen? Werden wir wacher sein, sie zu vernehmen? Jesus ist nicht in eine heile Welt hineingeboren. Er hat die ganze Mühsal eines Menschenlebens auf sich genommen. Er, der selber Gott ist, hat wie wir als Mensch gelebt, in allem uns gleich, außer der Sünde. Er hat uns nicht ein Paradies auf Erden versprochen, aber er hat eine Zusicherung gegeben: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Wir wissen nicht, wie lange die Corona-Krise dauert. Wir haben keine Garantie, dass alles wieder so wird, wie es davor war. Aber die Zusage Jesu steht unerschütterlich fest. Auf sie ist Verlass. Sie gibt Kraft, den Alltag zu bestehen, heute und jetzt die eigene Aufgabe zu tun, selbst wenn wir noch länger auf das Ende der Corona-Pandemie warten müssten.