Der dritte Sonntag im Advent heißt „Gaudete-Sonntag“. Denn das erste Wort im heutigen Gottesdienst lautet: „Freut euch (gaudete) zu jeder Zeit.“ Freude – auch in dieser Zeit? Es ist viel von den Sorgen dieser sich so lange hinziehenden Pandemie die Rede. Sie werden drückender, belastender, je länger der Kampf gegen das Corona-Virus dauert. Und da kommt die Botschaft von der Freude. Wir sollen uns freuen „zu jeder Zeit“. Freude ist lebenswichtig. Ein freudloses Leben ist trostlos. Aber was ist das Geheimnis der Freude? Warum strahlen manche Menschen Freude aus? Woher nehmen sie das?
Freude ist etwas anderes als lustig sein, spaßig, witzig. In traurigen Zeiten hilft Humor. Lachen tut gut. Wir brauchen es gerade jetzt. Aber Freude ist noch mehr. Das heutige Evangelium kann uns die Spuren zeigen, die zur echten Freude führen. Ich sehe drei solche Spuren, die in der Gestalt des Johannes des Täufers sichtbar werden.
Von Papst Johannes XXIII. (1958-1963) gibt es eine Geschichte, die mir schon oft geholfen hat. Als er mit 77 Jahren zum Papst gewählt wurde, hat ihm das schwere Amt anfangs manche schlaflose Nächte bereitet. Da soll er zu sich selber gesagt haben: „Nimm dich nicht so wichtig! Wer leitet die Kirche? Du oder der Heilige Geist?“ Und als er zugeben musste, dass es nicht er sei, der letztlich die Kirche leitet, konnte er zu sich sagen: „Dann schlaf jetzt!“ Und das schien Erfolg zu haben. Johannes der Täufer hatte diese Haltung. Gleich drei Mal sagt er denen, die ihn mit Fragen nach seiner Rolle bedrängen: „Ich bin es nicht!“ Johannes hat immer von sich selber weggewiesen. Er wollte mit seinem ganzen Leben und Wirken auf den hinweisen, der da kommen soll: „Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!“ Wer sich immer selber in den Mittelpunkt stellt, kann nicht die Quelle der Freude finden. Wer sich ständig wichtig macht, wird kaum Freude ausstrahlen.
Johannes hat nicht nur auf Jesus als den kommenden Messias hingewiesen. Er hat sich ausdrücklich gewünscht, dass Jesus groß herauskommt. Seinen eigenen Anhängern, die ihn sehr geschätzt haben, sagt Johannes: „Er (Jesus) muss wachsen, ich muss geringer werden.“ Wie viele Eltern bringen große Opfer, um ihren Kindern einen guten Weg ins Leben zu ermöglichen, Schule, Ausbildung, menschliches Wachstum. Die Freude, die sie empfinden, wenn aus ihren Kindern „etwas wird“, zeigt, dass echte Freude dort aufkommt, wo wir nicht uns selber groß machen wollen, sondern uns das für andere wünschen. Es ist die Freude des selbstlosen Gebens.
Als Johannes feststellt, dass zu Jesus mehr Menschen kommen als zu ihm, ist er nicht eifersüchtig, sondern sieht darin die Erfüllung seines Lebensauftrags. So kann er sagen: „Diese Freude hat sich nun bei mir vollendet.“ Der Eifersüchtige findet nicht den Weg zu den Quellen der Freude.
Die dritte Spur, die zu diesen Quellen führt, ist die Dankbarkeit. Der heilige Paulus bringt es auf den Punkt: „Dankt für alles!“ Auch für die Schwierigkeiten? Auch für die Covid-Pandemie? Sicher nicht so, dass wir uns über sie freuen sollen. Wohl aber, dass wir in den Bedrängnissen nicht die Dankbarkeit vergessen, für die es immer Gründe gibt. Den tiefsten Grund nennt Paulus: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit. Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“