Wie das Amen im Gebet kommen zu Weihnachten jedes Jahr Meldungen, die wie Neuentdeckungen auftreten und uns zeigen wollen, dass das Weihnachten der Geburt Jesu gar nicht so war, wie immer behauptet wird.
Es stimmt: Wir kennen nicht das genaue Geburtsdatum Jesu. Spätestens seit dem 4. Jahrhundert wird am 25. Dezember sein Geburtstag gefeiert. Auch das Geburtsjahr ist nicht genau überliefert. Wir zählen die Jahre „seit Christi Geburt“, 2020 Jahre sind es bisher. Tatsächlich ist Jesus wohl einige Jahre früher zur Welt gekommen. Der Irrtum liegt nicht an der Bibel, sondern am Fehler jenes Mönchs des 5. Jahrhunderts, dem wir unsere Zeitrechnung verdanken.
Dennoch bleibt die Frage: War das damals wirklich so, wie es in unseren Weihnachtskrippen dargestellt wird? Was ist liebevolle Ausschmückung, und was ist der Kern, um den es wirklich geht? Die Antwort können wir letztlich nur persönlich geben. Glaube ich an die Botschaft, die in dieser Nacht den Hirten gegeben wurde? „Ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr.“ Die Hirten machten sich auf und eilten nach Bethlehem „und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag“.
Seit diese einfachen Leute als erste Zeugen das Kind in der Krippe verehrt haben, sind unzählige Menschen ihnen gefolgt und haben in dem Jesuskind den Christus, den Herrn verehrt. Immer neu hat der Stall, die Krippe von Bethlehem, die Herzen bewegt, Künstler inspiriert, ein reiches Brauchtum entstehen lassen. Manchmal droht freilich das „Drumherum“ den eigentlichen Kern von Jesu Geburtsfest fast zu überwuchern. Weihnachtsmärkte (heuer nur sehr beschränkt), Geschenke einkaufen, Familientreffen (auch nur begrenzt), Christbaumschmuck und Kekse, all das hat sich um das herum entwickelt, was Weihnachten wirklich ist: Dieses Kind, unter armseligen Umständen geboren, ist Christus, der verheißene Messias, es ist „der Herr“, also Gott selber, Gottes Sohn, der Mensch geworden ist. Die Hirten hörten die Botschaft: „Heute ist euch der Retter geboren.“
Dieses Heute galt nicht nur damals. Mit jeder Weihnachtskrippe kommt das einst Geschehene in unser Heute. Das wollte der heilige Franziskus anschaulich machen, als er 1223 in Greccio zum ersten Mal eine lebende Krippe gestaltete, mit leibhaftigen Personen und Tieren. Er war von der Freude der Hirten ergriffen, wollte sie heute spürbar machen, mitten hinein ins Leben, in unsere Nöte und Sorgen. Ich denke, es ist diese Freude, die wir uns gegenseitig wünschen, wenn wir sagen: Frohe Weihnachten!