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Einige aber hatten Zweifel

Gedanken zum Evangelium, von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 30. Mai 2021 (Matthäus 28,16-20).

30.05.2021
Berg der Seligpreisungen
© shutterstock.com
Berg der Seligpreisungen

Passen Glauben und Zweifel zueinander? Ist der Zweifel der ständige Begleiter des Glaubens? Wie steht es um den Glauben? Ist er so schwach, dass der Zweifel an ihm nagt? Glauben heißt nichts wissen, wird immer wieder gesagt. Wissen ist sicher, Glauben ist ein Vermuten, ein Meinen, also nicht etwas ganz Gewisses. Stimmt das?

 

Die Apostel haben sich nach Ostern in Galiläa, ihrer Heimat, versammelt. Jesus hatte ihnen gesagt, sie sollen nach Galiläa gehen, dort würden sie ihn sehen. Und so war es auch. Auf einem Berg, vermutlich dem „Berg der Seligpreisungen“ beim See Genesareth, sehen sie ihn tatsächlich. Sie fallen vor ihm nieder. Eine Geste der Verehrung und Anerkennung, die uns in der modernen Welt fremd geworden ist, in der damaligen Welt aber ganz üblich war. Trotzdem aber zweifeln einige. Woran zweifeln sie? Vielleicht war es einfach die Unsicherheit, ob das nicht alles eine Täuschung sei, eine Wunschvorstellung, dass Jesus doch leben möge. Zu groß war der Schmerz über seinen Tod. Bilden sie sich das nur ein, dass er wirklich vor ihnen steht?

 

Ich bin dankbar, dass der Evangelist Matthäus das mit den Zweifeln nicht verschwiegen hat. Matthäus war ja Augenzeuge dieser Begegnung mit Jesus. Er war selber einer der elf anwesenden Apostel. Hat auch er gezweifelt? Ich finde es ermutigend, dass Jesus ihnen deswegen keinerlei Vorwurf macht. Zumindest berichtet Matthäus nichts davon. Vielmehr mutet Jesus ihnen und allen, die es lesen und hören, eine gewaltige Botschaft zu und einen Auftrag, der nicht größer sein könnte. Jesus tut es mit aller Klarheit. Ob wir daran glauben, das bleibt uns überlassen. Diese Freiheit haben wir, denn zum Glauben wird niemand gezwungen. Und wer versucht, den Glauben zu erzwingen, der hat ihn schon verraten. Jesus mutet uns drei große Wahrheiten zu. Uns ist es freigestellt, sie im Glauben anzunehmen.

 

Die erste Wahrheit ist wirklich eine Zumutung: „Mit ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf Erden.“ Unsere Alltagserfahrung spricht eine ganz andere Sprache. So viele Mächte und Gewalten beherrschen die Welt, den Lauf der Dinge, bis hinein in unser ganz persönliches Leben. Wo soll da spürbar und erfahrbar sein, dass alle Vollmacht bei Jesus liegt? Vielleicht mag das im Himmel so sein. Aber auf der Erde? Es ist nur allzu verständlich, dass sich da massive Zweifel melden. Dass es dennoch wahr ist, dass Jesus der Herr ist, das kann nur geglaubt werden.

 

Es kommt also alles darauf an, den Glauben zu wecken. Daher die zweite große Zumutung Jesu: „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Der Auftrag ist grenzenlos. Er hat nur eine Grenze: Zum Glauben an Jesus darf niemand gezwungen werden. Weil der Glaube eine Vertrauensbeziehung ist, kann er immer nur eine Einladung sein. Angenommen wird diese Einladung nur dann, wenn sie glaubwürdig vorgelebt wird.

 

Vom Vertrauen sprich das tröstliche dritte Wort Jesu: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Auch das können wir nur glauben. In dunklen Stunden mag Zweifel daran aufkommen. Doch gerade dann gilt die Zusage Jesu: Ich bin mit dir! Jeder von uns darf darauf vertrauen, dass es stimmt.

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