Es könnte nicht besser zur Urlaubszeit passen, die Einladung, die Jesus im heutigen Evangelium ausspricht. Es war einfach zu viel los. „So zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen“, dass sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden. Die Situation erinnert mich an die letzten Wochen, nachdem Schritt für Schritt die Covid-Maßnahmen zurückgenommen wurden und die „Normalität“ zurückzukehren begann. Jede Menge verschobener Termine wurden nachgeholt. Dazu die Freude, wieder Besuche machen zu können und sie zu empfangen. Aber ein wenig schwang auch die Sorge mit: Kommt die alte Hektik einfach zurück?
Bei den Aposteln war es eine andere Situation. Jesus hatte sie zum ersten Mal alleine beziehungsweise zu zweit ausgesandt. Sie sollten das zu tun versuchen, was sie bei Jesus gesehen und gelernt hatten. Es war ein erster „Probelauf“ für das, was später ihre Aufgabe sein würde: Das Evangelium, das sie von Jesus gehört haben, selber weiterzugeben. Offensichtlich waren sie damit erfolgreich. Ihr Ruf war inzwischen so gut, dass die Menschen nicht nur kamen, um Jesus zu sehen und zu hören. Sie erlebten auch Heilungen, die durch die Hände der Apostel geschahen. Kein Wunder, dass die Menschen sich noch mehr um Jesus und die Apostel drängten.
Wie wichtig sind solche Zeiten des Ausruhens, ohne den täglichen Wirbel, den Terminkalender, die laufenden Verpflichtungen. Ruhe, Loslassen, Durchatmen, den Alltag zurücklassen. Das erhoffen sich viele von ihren Ferien. Ich auch! Heute beginnt mein Urlaub. Wie wird er ausfallen? Denn die Erfahrung zeigt, dass es oft ganz anders kommt als geplant. Was dann? Für die Apostel fiel die Zeit der Erholung gründlich ins Wasser. So leicht ließen sich die Leute nicht überlisten. Man sah Jesus und die Apostel abfahren. Es sprach sich schnell herum. Die Leute liefen zu Fuß am Ufer entlang und kamen vor ihnen an.
Was für ein Gesicht machten die Apostel, als sie diese vielen Menschen sahen? Man kann es sich ausmalen. Markus, der Evangelist, interessiert sich nur für Einen: Er hält die Reaktion Jesu fest. Keine Spur von Ärger, dass die eigenen Pläne ganz über den Haufen geworfen wurden. Sein Blick gilt den Menschen. Er denkt nicht an die eigene Erholung, sondern an die Nöte der vielen, die die Mühe auf sich genommen haben, ihn zu sehen. Sein Mitleid war keine Herablassung, sondern tiefes Mitgefühl. Er wusste, wie es den Leuten geht. Statt der Ruhe wurde es ein intensiver Tag der Begegnung, des Trostes, der Lehre. Orientierung wollte er geben. Und sie wurde nicht müde, ihm zuzuhören.
Ich weiß nicht, wie mein Urlaub sein wird. Aber es ist mir bewusst, dass viele Menschen keinen Urlaub haben können, obwohl sie es gebraucht und verdient hätten. Für andere wird die Ferienzeit durch unerfreuliche Überraschungen ganz anders werden als geplant. Vielleicht hilft es in solchen Momenten, an die Menschenmenge zu denken, die sich da am Seeufer drängte. Jesus hat ein Auge für sie. Diese Namenlosen sind für ihn nicht eine anonyme Masse, sondern Menschen, von Gott geliebte Kinder, jede und jeder mit einer ganz persönlichen Geschichte.
Diese Scharen gibt es überall auf der Welt, Flüchtlinge, Hungernde, Verfolgte und Vertriebene, von Umweltkatastrophen Heimgesuchte. All diese Nöte machen nicht Urlaub, während ich meine Ferien genießen darf. Damit will ich weder mir noch irgendjemand anderen die Freude am Urlaub verderben. Ich versuche mich nur seelisch drauf einzustellen, dass es vielleicht ganz anders kommt als geplant, wie damals für die Apostel am See Genesareth. Dann will ich auf Jesus schauen und seine Haltung nachahmen. Dann kann der Urlaub trotzdem eine gesegnete Zeit sein.