Heute schweigen überall die Kirchenglocken. Manchen wird es gar nicht auffallen. Andere werden es als Wohltat empfinden, weil sie das Glockengeläute grundsätzlich stört. Am Land freuen sich die Kinder, denn sie dürfen mit den Ratschen durch das Dorf gehen, um die Stunden anzukündigen, nach altem Brauch.
Als Kind habe ich geglaubt, was uns damals gesagt wurde: Von Gründonnerstag bis Karsamstag fliegen die Glocken nach Rom! Warum gerade an diesen drei Tagen kein Glockenläuten? Das Verstummen der Glocken soll an das Leiden und Sterben Jesu erinnern, an seine Gefangennahme am Gründonnerstag Abend; am Karfreitag an seinen Prozess, seine Verurteilung zum Tod, sein Leiden und Sterben am Kreuz und seine Grablegung; am Karsamstag schließlich an die Grabesruhe Jesu. Auch die Orgel schweigt. Es ist wie ein Fasten für die Ohren. Wenn in der Osternacht am Samstag die Glocken wieder kräftig zu läuten beginnen, ist das ein weithin hörbarer Ausdruck der Osterfreude. Auch die Pummerin stimmt in den Klang der Osterglocken ein. Ich weiß, dass nicht alle diesen Glauben teilen. Danke für die Mitfreude mit uns!