Die Wahl in Ungarn war ein starkes Signal, das die große Mehrheit in Richtung Europa gegeben hat. Mich bewegt die Frage, inwieweit Europa für seine vielen Millionen Bewohner jemals so etwas wie eine Heimat werden kann, wie es etwa die USA geworden sind. Ist Europa nicht zu vielfältig, um ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit und Zusammengehörigkeit zu vermitteln? Ich bin in Tschechien geboren, fühle mich aber als Österreicher. Ich habe in fünf der neun Bundesländer gelebt, war in allen gerne, bin aber Vorarlberger, der in Wien zu Hause ist. Ich habe in sechs europäischen Ländern gewohnt. Ist deshalb Europa meine Heimat geworden?
Eine Überzeugung habe ich gewonnen: Europa kann in der heutigen Welt nur gemeinsam Bestand haben. Es hat über lange Zeit die Welt weitgehend beherrscht.
Das ist vorbei, und das ist gut so. Die europäischen Kolonialmächte haben ausgedient. Europa ist nicht perfekt, die EU auch nicht. Aber in keinem anderen Teil der Welt gibt es so viel Freiheit und Rechtsstaatlichkeit wie in Europa. Warum versuchen so viele Menschen, nach Europa zu kommen? Kein Staat ist das Paradies auf Erden. Meine endgültige Heimat erhoffe ich im Himmel. Bis dahin bin ich froh, in Europa zu Hause zu sein.