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Muttertag – feiern oder abschaffen?

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, Freitag, 9. Mai 2014.

08.05.2014
© Kardinal Christoph Schönborn/kathbild, rupprecht

Meine Mutter – sie ist inzwischen 94! – hat uns Kindern immer gesagt: Mir ist lieber, ihr seid unter dem Jahr gut zu mir, statt mich einmal im Jahr zu feiern, am Muttertag. Dazu kam für sie die schlimme Erinnerung an die Nazizeit, als Mütter dafür gelobt und ausgezeichnet wurden, dem "Führer" Kinder zu schenken, die dann für Hitlers Krieg zur Verfügung sein sollten.

 

Gott sei Dank sind diese schlimmen Erinnerungen vorbei. Am kommenden Sonntag können wir dankbar unsere Mütter feiern, und das ist gut so. Nach jüngster Umfrage kann freilich jeder vierte Österreicher sich vorstellen, den Muttertag abzuschaffen. Sind unsere Mütter nicht mehr wichtig genug, sie wenigstens einmal im Jahr besonders zu bedanken?

 

Dabei verdanken wir alle, ausnahmslos, unser Leben jener Frau, die Ja gesagt hat zur Schwangerschaft, Ja zu dem Kind, das wir waren und das wir für unsere Mutter immer bleiben. Vielleicht ist dieses Ja nicht leicht gefallen. Vielleicht war es das freudige Ja zu einem ersehnten Kind. Immer wieder gibt es jedoch Situationen, wo jemand dieses Ja nicht schafft. Und meist bleibt das ein tiefer Schmerz, eine Wunde.

 

Seit 40 Jahren, seit der Einführung der sogenannten "Fristenregelung", gibt es, von Kardinal König gegründet, den "Hilfsfonds für Schwangere in Not". Tausenden Müttern konnte geholfen werden, trotz schwieriger Lage Ja zu ihrem Kind zu sagen. Auch heuer sammelt der Hilfsfonds wieder. Und er tut es sinnvollerweise am Muttertag. Ein schönes Muttertagsgeschenk!

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