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Antworten: 7 Wochen ohne Runtermachen

"Antworten" von Kardinal Christoph Schönborn, in der Zeitung Heute, am Freitag, 13 Februar 2015.

12.02.2015
© Frau vor dem Spiegel/EDW

Die Faschingszeit strebt ihrem Höhepunkt zu. Doch nächste Woche ist am Aschermittwoch das närrische Treiben zu Ende. Dann beginnen die sieben Wochen der Fastenzeit. Dann kommen alle die üblichen guten Vorsätze: Einige Kilos abnehmen (habe ich vor!), kein (oder weniger) Alkohol und Nikotin. Aber es geht auch anders. Ich habe dieser Tage über die Evangelische Fastenaktion in Deutschland gelesen, und sie hat mir so gefallen, dass ich sie auch für Österreich empfehlen möchte: "7 Wochen ohne Runtermachen", so nennt sich die Aktion.

 

Was machen wir nicht alles runter! Am liebsten andere. Sehr oft aber auch uns selber. Der morgendliche Blick in den Spiegel bringt manche zum Verzweifeln: Wie ich aussehe! Wie gut andere aussehen! Diese Bilder von ewig jungen, strahlend schönen, erfolgreich glücklichen Werbefiguren! Und so machen wir uns selber runter, können uns nicht leiden und finden alles und uns selber schrecklich.

 

Diese Fastenaktion ruft dazu auf, endlich einmal Schluss zu machen mit dem ständigen Runtermachen. Lassen wir unsere Wunschvorstellungen von uns selber und von den anderen. Vergleichen wir uns nicht andauernd mit den anderen, meist um neidisch auf das zu sehen, was sie vermeintlich besser, mehr, schöner haben als wir.

 

Stattdessen: mich selber annehmen! Mich mit ganz anderen Augen sehen, und ebenso die anderen. Jeder Mensch ist ein unverwechselbares Ebenbild Gottes, und deshalb unvergleichlich schön und einzigartig. Wie wäre das, in der Fastenzeit einmal wirklich ohne Runtermachen auszukommen? Wieviel besser ginge es da uns selber! Und auch den Anderen! Sagen wir doch gelegentlich einander: "Ich bin stolz auf dich!" Oder wagen wir gar, anderen zu sagen: "Ich hab‘ dich lieb?" So wie du bist! So wie ich bin! Das wäre ein Fastenvorsatz!

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