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17.08.2023 · Österreich & Weltkirche

Gewalt gegen Christen in Pakistan beenden

Ein Mob stürmt die Kirche, zerstört das Kreuz und wirft das Inventar auf die Straße.

"Christen in Not" ruft österreichische Regierung auf, sich verstärkt für Religionsfreiheit und Minderheitenrechte in Pakistan stark zu machen. Missio-Nationaldirektor Wallner: Für Menschenrechte kämpfen und Bewusstsein für Religionsfreiheit fördern.

Das Hilfswerk "Christen in Not" (CiN) hat am Donnerstag, 17. August 2023, an die österreichische Bundesregierung appelliert, sich verstärkt für Religionsfreiheit und die Rechte religiöser Minderheiten in Pakistan einzusetzen. Aktueller Anlass waren massive Ausschreitungen gegen Christen in der Stadt Jaranwala im Bezirk Faisalabad.

 

Tausende aufgebrachte Muslime hatten am Mittwoch mehrere Kirchen und ganze christliche Viertel zerstört. Der vorgeschobene Grund war Blasphemievorwürfe gegen Christen. Die Polizei sei während der Ausschreitungen anwesend gewesen, habe aber nichts unternommen, hieß es. Die Polizei wies die Vorwürfe zurück. "Die österreichische Bundesregierung möge intensiv darauf hinwirken, dass in Pakistan das Recht für alle gilt und dem Mob Einhalt geboten wird", hielt CiN-Generalssekretär Elmar Kuhn in einer Aussendung fest.

 

Bücherverbrennungen schüren Hass

Zugleich müsse alles in die Wege geleitet werden, um in der EU Bücherverbrennungen zu verhindern. Kuhn: "Heilige Schriften im Namen der Freiheit zu verbrennen, ist die potenzierte Intoleranz und schürt den Hass." Christen, Juden, Muslime und Hindus seien gleichermaßen davon betroffen. "Nie wieder Intoleranz auf dem Boden unserer Demokratie! Die EU muss ein weltweites Beispiel für religiöse Toleranz und Schutz der Religionsfreiheit sein!", so die Forderung von CiN.

 

Auch die Päpstlichen Missionswerke (Missio) haben am Donnerstag dazu aufgerufen, die Religionsfreiheit in Pakistan zu stärken. "Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht und wird in Pakistan nicht gewährt. Solange das Bewusstsein innerhalb der islamischen Gesellschaft nicht vorhanden ist, kommt es zu Empörungen und Gewalttaten gegenüber anderen Religionen", so Missio-Nationaldirektor P. Karl Wallner. Deshalb sei es wichtig, "dass wir nicht wegschauen, wenn unsere Schwestern und Brüder bedroht und angegriffen werden. Wir müssen für die Menschenrechte kämpfen und ein Bewusstsein für Religionsfreiheit fördern". Wallner war selbst im vergangenen November in Pakistan, um Missio-Hilfsprojekte zu besuchen.

 

Umstrittener Blasphemievorwurf

Die Gewalt ist laut CiN ausgebrochen, nachdem muslimische Bewohner behauptet hatten, in der Nähe des Hauses zweier christlicher Brüder am Cinema Chowk in Jaranwala seien geschändete Seiten des Heiligen Koran gefunden worden. Die Gerüchte über die angebliche Tat verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in Jaranwala. Die Menschen wurden mit Durchsagen in Moscheen aufgefordert, eine "Reaktion" auf den Vorfall zu zeigen.

 

Das Ergebnis laut CiN: 25 Kirchen seien in Schutt und Asche gelegt und das Eigentum der christlichen Minderheiten wurde stark beschädigt. Überall herrsche große Angst, viele Christen würden an sichere Orte fliehen, um ihr Leben zu retten. Die Regierung habe es verabsäumt, die Rechte der Minderheiten zu schützen.

 

CiN-Generalsekretär Kuhn: "Es ist hoch an der Zeit, zurückzuschlagen: Mit Information, Richtigstellung, Eindämmen der Falschmeldungen und klarem Widerspruch zu den Terroraufrufen verirrter Muslime und politischer Hasardeure."

 

Am Donnerstag haben Sicherheitskräfte die Christen-Viertel in der Stadt Jaranwala in der Provinz Punjab abgeriegelt. Die Provinzregierung teilte mit, paramilitärische Truppen seien zur Unterstützung der Polizei abkommandiert worden. Es seien mehr als 100 Verdächtige festgenommen worden.

 

Prekäre Situation für Christinnen und Christen

Knapp zwei Prozent der 225 Millionen pakistanischen Einwohnerinnern und Einwohner bekennen sich zum Christentum. Damit stellen die Christinnen und Christen die zweitgrößte religiöse Minderheit im Land nach den Hindus. Die christliche Gemeinschaft ist regelmäßig von Zwangskonvertierungen zum Islam und Blasphemievorwürfen bedroht. Die meisten Christinnen und Christen in Pakistan leben in großer Armut.

erstellt von: red/kathpress
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