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17.01.2024 · Österreich & Weltkirche · Weltkirche

Weltverfolgungsindex: Religiös motivierte Gewalt nimmt zu

Weltverfolgungsindex

Am stärksten von Schließungen oder Zerstörung bedroht sind Kirchen in China und Indien. Während in China die Restriktion und Kontrolle hauptsächlich von der Regierung ausgehe, seien es in Indien "aggressive Mobs", die Angriffe auf Kirchen verübten, so Open Doors.

Hilfswerk Open Doors: Knapp 5.000 Christinnen und Christen binnen eines Jahres wegen Glaubens getötet. Open-Doors-Geschäftsführer Igler: "Verfolgung muss uns alle in den westlichen Ländern aufrütteln und zu gezieltem Handeln bewegen".

Weltweit sind mehr als 365 Millionen Christinnen und Christen wegen ihres Glaubens einem hohen Maß an Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt, das ist jede siebte Christin oder jeder siebte Christ. Laut dem Hilfswerk Open Doors sollen allein im Zeitraum von 1. Oktober 2022 bis 30. September 2023 14.766 christliche Gebäude zerstört oder geschlossen sowie 4.998 Christinnen und Christen getötet worden sein. Die Dunkelziffer solle deutlich höher liegen, geht aus dem am Mittwoch veröffentlichen Weltverfolgungsindex (WVI) 2024 hervor. Das Hilfswerk Open Doors erstellt seit 30 Jahren eine Rangliste von 50 Ländern mit der stärksten Christenverfolgung.

 

Laut dem Bericht führt Nordkorea die Negativ-Rangliste der stärksten Unterdrückung erneut an, gefolgt von Somalia, Libyen, Eritrea, Jemen, Nigeria, Pakistan, Sudan, Iran und Afghanistan. Die bevölkerungsreichsten Länder der Welt, Indien und China, belegen die Ränge 11 und 19.

 

Die Verfolgung habe im Vergleich zum Vorjahr weiter an Intensität zugelegt, so der WVI. Die Diskriminierung von Christinnen und Christen zeige sich in Androhungen, Vertreibung bis hin zur Tötung von Gläubigen. Dabei sind die Verfolger Regierungen, wie in Nicaragua (Platz 30), die Kirchen zerstören oder Bischöfe verfolgen, sowie extremistische Gruppen, die Dörfer und Gottesdienste überfallen, wie in Nigeria (Platz 6). Aber auch Clans und Familien verfolgen Angehörige, wenn sie zum christlichen Glauben konvertieren.

 

Christliche Infrastruktur zerstört

Nach Angaben des Hilfswerks zeigt sich die Gewalt gegen Christinnen und Christen im jüngsten Berichtzeitraum vor allem an zerstörten oder geschlossenen christlichen Einrichtungen, wie Schulen, Kirchen oder Krankenhäuser. Am stärksten von Schließungen oder Zerstörung bedroht sind Kirchen in China und Indien. Während in China die Restriktion und Kontrolle hauptsächlich von der Regierung ausgehe, seien es in Indien "aggressive Mobs", die Angriffe auf Kirchen verübten, so Open Doors. In Indien wurden dem Bericht zufolge mindestens 160 Christen wegen ihres Glaubens von Hindu-Nationalisten ermordet; im Vorjahr waren es 17. Allein im Bundesstaat Manipur wurden 2023 mehr als 400 Kirchen zerstört.

 

Kurt Igler, Geschäftsführer von Open Doors Österreich, forderte angesichts der Entwicklungen auf, die Gewalt häufiger und klarer zu thematisieren: "Der extreme Anstieg gewaltsamer Angriffe auf christliche Kirchen und Gebäude im vergangenen Jahr muss uns alle in den westlichen Ländern aufrütteln und zu gezieltem Handeln bewegen." Er erwarte sich "von involvierten politischen und religiösen Gruppen eine Positionierung".

 

Igler appellierte auch an die österreichische Politik und Öffentlichkeit, "sich dafür einzusetzen, dass die Regierungen in den jeweiligen Ländern Schutz vor gewalttätigen Angreifern bieten, Gerechtigkeit für die Opfer gewährleisten sowie die Täter zur Rechenschaft ziehen". Dies gelte es auch vonseiten der österreichischen Außenpolitik und des diplomatischen Engagements zu beachten, so der Menschenrechtler.

 

Nordkorea weiter auf Platz 1

Nordkorea steht erneut auf Platz eins des Weltverfolgungsindex. Christinnen und Christen sind unter der kommunistischen Diktatur gezwungen, ihren Glauben in völliger Geheimhaltung zu praktizieren, ihnen droht bei Entdeckung Zwangsarbeit. Nach Schätzungen von Open Doors gibt es in Nordkorea etwa 200.000 politische und religiöse Gefangene, von denen 50.000 bis 70.000 aufgrund ihres christlichen Glaubens inhaftiert sein sollen.

 

Darüber hinaus spitzt sich die Situation von christlichen Gläubigen in Subsahara-Afrika weiter dramatisch zu. Die meisten Morde an Christinnen und Christen geschahen laut Bericht wie in den Vorjahren in Ländern südlich der Sahara; Täter waren vorwiegend islamistische Gruppen. Allein in Nigeria (Rang 6) sollen mindestens 4.118 Gläubige getötet worden sein. Radikale islamische Gruppen, die instabile politische Verhältnisse ausnutzen, seien aber auf dem gesamten afrikanischen Kontinent verbreitet: Zu beobachten seien etwa islamistische Organisationen in Burkina Faso (Platz 20), Mali (Platz 14), Mosambik (Platz 39), Nigeria (Platz 6) und Somalia (Platz 2), so der Bericht.

 

Im Nahen Osten sei die Auswanderungswelle der christlichen Bevölkerung nach wie vor nicht gestoppt, hieß es. Wegen der Gewalt, wirtschaftlichen Krise und Vertreibungen, würden sich viele Christinnen und Christen aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, oder auswandern. Als Beispiel wurde auch die nordsyrische Region Afrin genannt, wo türkische Soldaten die gesamte christliche Bevölkerung in die Flucht getrieben haben sollen.

 

Auch in Nicaragua (Rang 30) steht laut WVI die Regierung von Präsident Ortega Christinnen und Christen zunehmend feindlich gegenüber und ließ Kirchen, Radiostationen sowie Universitäten schließen, Priester und Ordensfrauen des Landes verweisen. Bischof Rolando Alvarez wurde die Staatsbürgerschaft entzogen; er wurde wegen Landesverrats zu 26 Jahren Gefängnis verurteilt und mittlerweile ausgewiesen.

 

Die Zahlen von Open Doors lassen sich nicht unabhängig nachprüfen. Das Hilfswerk selbst räumte gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA ein, dass keine allgemein anerkannte rechtliche Definition des Begriffes Verfolgung existiere. "Nicht immer ist eindeutig, ob der (so empfundene) Druck auf oder die konkrete Gewalt gegen Christen durch ihren Glauben bedingt ist." Dennoch verteidigt die Hilfsorganisation ihre Statistiken: Seit 1992 würden Daten aus rund 100 Ländern von kirchlichen Netzwerken, Menschenrechtsanwälten, Analysten sowie Experten von Open Doors International ausgewertet.

 

Infos: www.opendoors.at

erstellt von: red/kathpress
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