Donnerstag 1. Januar 2026
Grundlagen

Die Trauer gestalten als einen Weg...

... der ins Leben führt

 

Bevor wir uns den einzelnen Wegen widmen, möchte ich auf drei wichtige Grund-Voraussetzungen hinweisen, die gleichsam ein verlässliches Fundament bilden.

  1. Den Tod des geliebten Menschen annehmen

Für eine bewusste Beziehungsgestaltung ist die Annahme des Todes dringend wichtig. Ob Sie an ein Leben nach dem Tod glauben oder nicht, ist hier sekundär.

 

Tatsache ist: mit dem Tod eines geliebten Menschen verändert sich alles! Da gibt es nichts schön zu reden und keinen Grund, so zu tun, als wäre das nicht so schlimm.

 

Einen geliebten Menschen zu verlieren zählt zu den schlimmsten Erfahrungen, die man im Leben machen kann und die Trauer um einen geliebten Menschen zählt zu den größten Schmerzen, die es im Leben zu tragen gibt. Die Annahme dieser Lebensrealität – so schmerzlich sie ist – ist notwendig.

 

  1. Den Phasen der Trauer Raum geben

Ebenso wichtig ist es, die unterschiedlichen Phasen der Trauer bewusst und ganz zu durchleben, sowie dem Schmerz genügend Raum und Aufmerksamkeit zu schenken.

 

Ich betone das aus gutem Grund: Viele Arbeitgeber*innen geben beim Todesfall eines Angehörigen zwei Tage frei, bei Todesfällen von Freund*innen gar nicht.

 

Gesellschaftlich scheint es, als müsse man recht schnell, schon nach ein paar Wochen, wieder ganz normal funktionieren. Das ist ein Irrtum: Trauer und das Leben lernen mit dem Verlust, der unersetzbar ist, ist nicht eine Angelegenheit, die in ein paar Tagen oder Wochen zu bewältigen ist.

 

Es wird auch nie wieder wie zuvor, Sätze wie „die Zeit heilt alle Wunden“ oder „es wird schon wieder“ sind zynisch und falsch. Sie können nur von Menschen stammen, die noch nie geliebt haben.

 

Und – ein dritter Irrtum: wir sind nicht geschaffen, um zu funktionieren, sondern um zu leben. Zum Leben gehören Freude und Schmerz, Glück und Trauer, Stärke und Schwäche.

 

Alles darf sein, alles braucht Raum. Gestalten wir achtsam unser Miteinander. Das ist etwas völlig Anderes, als einfach zu funktionieren.

 

  1. Die eigenen Unsicherheiten und Zweifel an der weiteren Beziehung loslassen

Ich ermutige Sie: Versuchen Sie, sich ganz auf die Ihnen zusagenden Formen und Wege einzulassen und halten Sie sich nicht durch Unsicherheiten und Zweifel auf.

 

Jeder Weg öffnet einen Raum für gemeinsame Erfahrung und lebendige Beziehung.

 

So wie Sie zu Lebzeiten wahrscheinlich nicht alles Erleben ständig hinterfragt oder ob seiner Echtheit angezweifelt haben, so erleben Sie den Segen dieser Wege auch nur dann, wenn es Ihnen gelingt, sich darauf einzulassen und Sie nicht im Hinterkopf stets darüber nachdenken, ob das denn so sein kann oder ob Sie das wirklich wollen…

 

Jede dieser Fragen schneidet Ihnen ein Stück aus Ihrer Beziehung und zu viel Unsicherheit hinterlässt ein Stückwerk an Trauer und damit das Gegenteil eines Erlebens von sich weiterhin entfaltender Beziehung.

 

weiter zu den Wegen der lebendigen Beziehung

 

 

 

Pastoral in familiären Lebensrealitäten
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